Die Idee:

„Free solo“ bezeichnet eine Disziplin des Freikletterns bei der der Kletterer alleine und ohne Sicherung unterwegs ist.

Es gibt eine ganze Reihe von Veranstaltungen, die ich gerne einmal mitlaufen würde oder die ich schon einmal gelaufen bin und gerne noch einmal absolvieren würde. Leider scheitert es in vielen Fällen daran, daß es nur eine begrenzte Anzahl von Startplätzen gibt und ich mich extrem früh anmelden müßte, die Veranstaltung generell völlig überlaufen ist oder daß die entsprechende Veranstaltung gar nicht mehr stattfindet. Ab sofort will ich daher versuchen, diese Strecken nach und nach abzulaufen. Nicht im Rahmen einer offiziellen Laufveranstaltung sondern alleine (oder höchstens mit einem Begleiter) nur mit Rucksack und GPS – also „free solo“. Außerdem gibt es noch Strecken, auf denen bislang keine offiziellen Veranstaltungen stattfinden, die aber trotzdem einen längeren Lauf Wert sind. Zum Beispiel gibt es hier in der Gegend zwischen Westerwald, Taunus, Hunsrück und Eifel so viele herrliche Wanderwege die ich unbedingt nach und nach einmal kennenlernen möchte. Auch Läufe über diese Strecken werden hier nach und nach zu finden sein.

Hinzu gekommen sind nach und nach auch ein paar Reiseberichte. Meine Urlaubsorte werden natürlich auf ihre Tauglichkeit als Laufrevier getestet.


Die Vier-Türme-Tour rund um Bad Ems

Wer bei dem Namen dieser Tour eine flache Strecke erwartet, ist auf dem falschen Dampfer. Flach in Verbindung mit (Leucht)Türmen geht es höchtens an der Nordsee. Im Lahntal sind ordentlich Höhenmeter fällig - je nachdem welche Extraschleifen und Abstecher zu schönen Aussichtspunkten man macht zwischen 900 und 1100. Daher schwanken die Angaben für die Streckenlänge auch zwischen 16 und 19. Dafür hat die Tour den Vorteil, daß sie eine Art verschnörkelte Acht mit Schnittpunkt mitten in Bad Ems bildet. Man kann das Ganze also auch in zwei Etappen laufen. Mein Startpunkt war der kostenlose Parkplatz hinter dem Bahnhof. Von hier aus geht es zum Warmwerden erst einmal einen asphaltierten Kilometer die Lahn hinauf. Danach ist Schluß mit Lustig, denn der erste Anstieg führt hinauf auf den Wintersberg. Über die Streckenmarkierung kann man übrigens nicht meckern. Wenn man eine Weile das Schild mit der stilisierten Fontäne nicht mehr gesehen hat, ist man vermutlich falsch abgebogen. Rechts der Römerwachturm auf dem Wintersberg. Früher war Bad Ems übrigens ein Römerkastell.

 

Nach einem kurzen Downhill schlägt man schon wieder in Bad Ems ein und macht einen kurzen Abstecher durch das sogenannte Villenviertel. 

Die alte katholische Kirche, Baujahr 1661. Soll eine schöne barocke Innenausstattung haben, war aber leider geschlossen.

Dann ist auch schon der nächste lange Anstieg fällig, und zwar hinauf zum Malberg. Über diesen Streckenabschnitt führt übrigens auch eine Pilgertour Richtung Bornhofen am Rhein, die ein Kollege von mir jedes Jahr wandert. 60 Kilometer in zwei Tagen. Für Ungeübte schon ein ordentliches Brett. Früher konnte man mit einer Zahnradbahn hinauf fahren, aber die Schienen gammeln genauso wie die obere Bahnstation vor sich hin. Auch von dem kleinen Tierpark sind nur die traurigen Reste von ein paar Gehegen übrig geblieben. Dafür ist der Blick hinunter auf Bad Ems genial. Auf dem Weg zum Gipfel kommt man außerdem an der Henrietten-Pyramide (links) vorbei. Rechts der Aussichtsturm auf dem Malberg.

  

Es folgt der nächste Downhill. Hier ist Vorsicht angesagt, da der Weg an einigen Stellen stetig abbröckelt und teilweise sehr schmal ist. Generell sind für diese Tour geländegängige Schuhe zu empfehlen, vor allem bei Nässe und grundsätzlich im Herbst und Winter auf Laub. Unten angekommen wechselt man die Lahnseite und macht einen Abstecher durch den Kurpark, wo jedes Jahr im Sommer der Stadtlauf ausgetragen wird. Außerdem kommt man hier noch am Quellenturm vorbei.

Auf der nördlichen Lahnseite ist dann noch die etwas kleinere Runde mit dem Bismarck- und dem Concordiatum oberhalb von Dausenau fällig. Aber da ich Wiederholungen hasse und sich die Strecke hier mit dem Lahnwanderweg kreuzt verweise ich einfach mal auf dem entsprechenden Bericht weiter unter ("Das Lahntal Projekt - von Dausenau nach Bad Ems"). Mogelschlümpfe können sich hier übrigens ein paar Höhenmeter sparen und einfach die Lahn entlang nach Dausenau und zurück laufen oder den Bismarcktum auslassen und direkt zum Concordiaturm laufen. Grundsätzlich hat man rund um Bad Ems eine ganze Reihe von Möglichkeiten die verschiedenen ausgeschilderten Wege miteinander zu kombinieren. Schön ist die Gegend eigentlich überall.

Fazit: knackige Strecke, viele Sehenswürdigkeiten.

weitere Infos gibt es hier: https://www.ich-geh-wandern.de/gps-wanderwege/bad-ems


Der Märchensee-Rundweg bei Weilburg

Los ging es diesmal auf dem Wanderparkplatz am Tierpark von Weilburg. Nach einem Kilometer und einem eher unschönen Stück die Strasse entlang erreichen wir bereits Hirschhausen. An der evangelischen Kirche vorbei geht es die Treppen hinauf und hinein in den Wald.

Eines der vielen Erinnerungsstücke an vergangene Bergbauzeiten, die man überall in der Gegend findet:

Die nächsten 6 Kilometer sind nicht wirklich spektakulär. Unterschiedlich gut befestigte Wege, viel Wald und sonst recht wenig zu sehen. Bei schönerem Wetter hätte es sicher mehr Spaß gemacht, aber die Matschpisten waren teilweise schon etwas nervig. Lehmboden als Untergrund und darüber eine nasse Laubschicht bringen auch die besten Schuhe an ihre Grenzen. Ab Kilometer 7 war dann auch noch der gpx-Track mit Vorsicht zu geniessen. Keine Ahnung, welcher Witzbold den ins Netz gestellt hat, aber es ging über kaum erkennbare Trampelpfade und dann mitten durch die Botanik. Im Sommer wäre hier kein Durchkommen gewesen. Der gekieste Wirtschaftsweg, der ein paar hundert Meter weiter hinauf zum Märchensee führt ist definitiv die bessere Wahl.

Weiter ging es Richtung Drommershausen. Bei schönem Wetter hat man hier einen ganz guten Blick auf den Ort, aber heute erwischt uns hier einer der angekündigten Regenschauer und das Handy bleibt wasserdicht verpackt im Rucksack. Auf der anderen Seite des Ortes befand sich früher eine Wallfahrtskirche. Ein Teil der Strecke gehört namlich zum Jakobswegenetz (erkennbar an den Schildern mit der gelben Muschel auf blauem Grund). Heute findet man dort nur noch ein paar Mauerreste, einen Stein, der den Platz des Altars markiert und ein Erinnerungskreuz.

Von hier sind es keine zwei Kilometer mehr bis zum Ziel. Am Ende haben wir etwas über 13 Kilometer und etwas mehr als 300 Höhenmeter auf der Uhr. 

Fazit: kann man mal laufen wenn man gerade in der Gegend ist, aber eine längere Anreise lohnt sich wirklich nicht. Geländegängige Schuhe sind unbedingt zu empfehlen - vor allem wenn es geregnet hat. Außerdem sollte man sich den Track vorher herunter laden. Die Beschilderung ist an vielen Stellen eher dürftig.

Nähere Infos zur Strecke gibt es hier: https://www.ich-geh-wandern.de/weilburger-tiergarten-und-märchensee-rundwanderung


Alle Wege führen nach ... Stadtkyll

Der kleine Luftkurort Stadtkyll mit seinen rund 1.500 Einwohnern mitten in der Vulkaneinfel fällt zwar nicht gerade durch seine Sehenswürdigkeiten auf, aber dafür gibt es rund um den Ort 9 bestens ausgeschilderte Rundwanderwege und viel Landschaft, in der man sich als Läufer während eines Kurzurlaubes bestens austoben kann. Die Wanderwege sind mit SY1 - SY9 beschildert. Was auf den Schildern leider fehlt ist eine Angabe der jeweiligen Länge. Da muß man dann doch outdooractive.com bemühen.

https://www.outdooractive.com/de/wanderungen/stadtkyll/wanderungen-in-stadtkyll/1466645/

​Die Strecken sind ziemlich abwechslungsreich angelegt. Nach einem Stück Asphalt und bestens befestigten Waldwegen kann es auch schon mal auf einem richtig schönen Singletrail weiter gehen. Flach geht es nur selten, nach einer knappen Woche mit fünf Touren (die Wanderwege überschneiden und kreuzen sich teilweise) hatte ich 60 Kilometer (plus ein paar ausgedehnte Spaziergänge mit Frau und Hund) und 1.600 Höhenmeter rauf und wieder runter auf dem Tacho. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Anstiege aber durchaus noch laufbar. Auch für Mountainbiker ist die Gegend zu empfehlen. 

  

Blick hinunter auf Stadtkyll mit der katholischen Pfarrkirche St. Josef. Direkt daneben findet man die Touristeninformation sowie ein sehr gutes Cafe auf dem Raiffeisenplatz

Das Wildgehege oberhalb von Stadtkyll am Panoramaweg Richtung Jünkerath, wo es ein weiteres Netz von offiziell ausgewiesenen Wanderwegen gibt. Ich hatte leider keine Gelegenheit, diese auch noch anzutesten. Vielleicht beim nächsten Mal.

Der kleine Stausee an SY2 am Eingang zum Ferienpark Wirfttal. Auch hier macht sich der lange trockene Sommer bemerkbar. Mitte November lag der See zu einen Drittel trocken.

Das Denkmal für die Gefallenen des 1.Weltkriegs auf dem Hasenberg. Der Anstieg lohnt sich für die schöne Aussicht über die beiden angrenzenden Täler am Zusammenfluß von Wirft und Kyll.

Fazit: Für ein paar schöne entspannte - wenn auch nicht übermäßig lange - Touren hat sich der Kurztrip wirklich gelohnt. Für einen ausgedehnten Einkaufsbummel müßte man schon etwas mit dem Auto fahren. Gerolstein würde sich da anbieten. Für Lauf- und Wandertouren sollte man Schuhe wählen, die mit unterschiedlichem Untergrund zurecht kommen. Ganz ohne Asphalt geht es selten. 


Das Lahntal-Projekt - von Dausenau nach Bad Ems - und fünf Türme als Zugabe

Da sich das Herbstwetter auch weiterhin von der läuferfreundlichen Seite zeigt, wollte ich noch schnell die kürzeste Etappe abhaken. Von Dausenau nach Bad Ems sind es eigentlich nur 5 Kilometer, aber man kann natürlich noch ein paar kleine Umwege und Sehenswürdigkeiten einstreuen. Außerdem mußte ich wieder größtenteils Pendelstrecke laufen. Dausenau hat überraschend viel historisches zu bieten. Der kleine Ort direkt an der Lahn mit gerade einmal 1.200 Einwohnern hatte im Mittelalter tatsächlich die Stadtrechte. Passend dazu gab es eine Stadtmauer und die erkundet man am besten auf dem Stadtmauer-Rundweg.

​Der Torturm, der am besten erhaltene von insgesamt vier Türmen.

Teil der Stadtmauer

Die St. Kastor-Kirche aus dem, 12. Jahrhundert

Das berühmte 350 Jahre alte Wirtshaus an der Lahn

Nach viel Geknipse geht es dann endlich auf die eigentliche Strecke. Über weite Teile ist der Lahnwanderweg hier identisch mit der Vier-Türme-Tour, die ich bei Gelegenheit einmal in voller Länge laufen will. Das Streckenprofil ist wieder knackig und die Trails zum Teil recht anspruchsvoll. Geländegängige Schuhe sind zu empfehlen, vor allem rund um den Concordiaturm.

Das war dann für heute Turm Nummer fünf. Auch eine Art Streckenrekord. Als Gegenleistung für die bewältigten Höhenmeter gibt es eine ziemlich geniale Aussicht hinunter nach Bad Ems (es war leider ein wenig diesig). Halbrechts erkennt man gerade noch so den Kurpark und die Spielbank direkt an der Lahn. Beim jährlichen Stadtlauf (siehe "5K, 10K, ..." ) dreht man dort seine Runden.

Fazit: Viel gelaufen bin ich diesmal nicht, aber viel gewandert. Der Streckenabschnitt hat es wirklich in sich und beim nächsten Mal habe ich die Trekkingstöcke dabei. Der Rest der Vier-Türme-Tour soll nämlich ähnlich anspruchsvoll sein. Das kann also heiter werden.


Das Lahntal-Projekt - von Nassau nach Dausenau - erst flach dann steil

Was bisher geschah: Da sich die Maya-Prophezeiung als Hollywood-Gag zur besseren Promotion zweitklassiker Filme und Bücher heraus gestellt hat und die Zombie-Apokalypse vermutlich doch nicht stattfindet, entschließt sich Langstreckenläufer Oli dazu, sein Lahntal-Projekt voran zu treiben. Einmal in vielen Etappen von Diez nach Lahnstein und von Limburg bis Wetzlar.

Nassau habe ich in diesem Jahr schon von allen Seiten kennen gelernt. Zum einen durch die Vier-Täler-Tour (siehe unten) und zum anderen durch den Schindertrail. Los ging es diesmal auf dem Wanderparkplatz nördlich von Nassau, direkt am Wanderweg N3, der nach einem kurzen Trail direkt auf den Lahnwanderweg einbiegt. Durch die vielen abgefallenen Eicheln ist der erste Kilometer durch den Wald mit Vorsicht zu genießen.

Blick vom N3 hinunter nach Nassau.

Um das Ganze als Rundkurs laufen zu können geht es auf der anderen Lahnseite erst einmal flache 5 Kilometer über den Radweg nach Dausenau. Im Sommer sollte man hier besser nicht laufen, da die Strecke dann mit Sicherheit fest in der Hand der Biker ist. Jetzt im Herbst geht es aber.

Blick hinüber nach Dausenau. Bei Gelegenheit werde ich mir den Ort noch mal näher anschauen.

Gleich hinter Dausenau ist Schluß mit lustig. Auf den nächsten 10 Kilometern zurück zum Parkplatz sind sagenhafte 715 positive Höhenmeter fällig. Die einzige flache Passage ist Nassau selbst. Gleich der erste Anstieg iat 2,5 Kilometer lang und führt unter anderem an zwei großen Kuhweiden vorbei. Mit etwas Phantasie könnte man glauben, daß man im Allgäu unterwegs ist. Am Ende des Anstieges überhole ich ein paar Wanderer, die sich vermutlich gerade fragen, wer auf diese dämliche Idee gekommen ist. Danach geht es zum Glück wieder etwas bergab und in einigen Wellen bis zum "Freiherr-vom-Stein"-Denkmal von dem man einen weitere schöne Aussicht auf das Lahntal geniessen kann. Von hier aus kann man noch einen kurzen Abstecher auf die Burg Nassau machen, aber da ich den Anstieg noch vom Schindertrail im Sommer in bester Erinnerung habe, erspare ich ihn mir diesmal.

Der Adelsheimer Hof in Nassau. Gleich um die Ecke führt der Lahnwanderweg an einem sehr empfehlenswerten Eiscafe vorbei. Gut wenn man auf solchen Läufen ein paar Notfall-Euronen dabei hat. Zwei Bällchen gehen immer.

Das ich nicht unten in Nassau parken wollte rächt sich jetzt natürlich, denn zum Wanderparkplatz hinauf sind noch einmal geschätzte 90-100 Höhenmeter fällig. Hat zwar Sprit gespart, geht aber noch einmal richtig gut in die Oberschenkel. Den beiden netten älteren Herren mit ihren Rennrädern, die hier eine kurze Rast einlegen, ist auch anzusehen, daß die Gegend nicht viele flache Passagen zu bieten hat.

Fazit: sehr schöne Strecke, aber aufgrund des Profils nicht unbedingt für Laufanfänger geeignet. Mehr als 8 Kilometer pro Stunde will ich hier gar nicht laufen. Geländegängige Schlappen sind wegen der zum Teil anspruchsvollen Trails zu empfehlen.

 


Rundwanderweg "R3" ab Fuchskaute (WW) - klingt unspektakulär, macht aber Laune

Eigentlich wollten Jörg und ich nur einen lockeren Lauf machen um so langsam mal wieder ins Training für das kommende Jahr einzusteigen und da finden wir durch Zufall doch ein echtes Schmuckstück von einem Wanderweg. Los ging es auf dem Wanderparkplatz an der Fuchskauten Lodge, wo bekanntlich auch der Westerwaldsteig entlang führt. Das Kreuz markiert übrigens den höchsten Punkt des Westerwaldes.

​Die Beschilderung für die verschiedenen Wanderwege ist vorbildlich und Verlaufen eigentlich nicht möglich, wenn man ein bischen die Augen offen hält. Also Vorsicht an zwei Stellen an denen es verführerisch geradeaus geht. Wenn man eine Weile kein Schild mehr gesehen hat ist man wahrscheinlich an einer Abzweigung vorbei gelaufen. Die Strecke besteht fast ausschließlich aus mehr oder weniger befestigten Wege und ein paar richtig schönen Trails. Nur bei der Ortsdurchquerung von Weissenberg sind ein paar Meter Asphalt fällig.

​Der Ketzerstein oberhalb von Weissenberg. Hat übrigens nichts mit Ketzerei zu tun, wie eine der vielen Infotafeln verrät. Der Begriff kommt von "Katze" - einem mittelalterlichen Begriff für einen Grenzübergang. 

​An dieser malerischen Ecke, in einem kleinen Tal mit einem Bach findet man das Dreiländereck. Dort treffen Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen aufeinander.

​Ansonsten bietet die Strecke viel Fernsicht und verläuft streckenweise über den Rothaarsteig. Auf 11 Kilometer sind rund 265 Höhenmeter fällig, die sich aber gut verteilen, so daß die Strecke nicht übermäßig anspruchsvoll ist. Aufgrund der Trailpassagen empfehle ich geländegängige Schuhe. 

​Weitere Infos zu diesem Wanderweg gibt es übrigens hier: 

https://www.ich-geh-wandern.de/rundwanderung-fuchskaute-und-drei-länder-eck


Norddeich - Nicht immer gegen den Wind, aber immer Richtung Horizont

Auch wenn ich lieber in den Mittelgebirgen laufe bin ich - was den Urlaub angeht - echter Nordseefan. Nordeich (Vorsicht! Es gibt mehrere Orte mit diesem Namen. Ich meine den netten Kurort 30 Kilometer nördlich von Emden) war schon mein achter Urlaub an der Nordseeküste. Um es vorweg zu nehmen: für einen zweiwöchigen Erholungsurlaub ist die Gegend bestens geeignet, für Langstreckenläufer dagegen nur bedingt. Der Hauptgrund dafür ist der, daß es in Ostfriesland (inklusive der Inseln) zwar 1.300 Kilometer Radwege, aber kaum echte Wanderwege oder Trails zu geben scheint. Am besten leiht man sich ein Fahrrad aus (ein qualitativ hochwertiges Dreigangrad bekommt man schon für 6,- € am Tag und 30,- € pro Woche) und macht etwas Alternativtraining. Die Radwege sind bestens beschildert (siehe unten) und zumeist in gutem Zustand. Nur Richtung Greetsiel sind Alexander und ich auf eine drei Kilometer lange Stoßdämpferteststrecke gestoßen. Ein Schlagloch neben dem anderen, Bodenwellen und hochstehende Betonplatten. Zum Glück konnte man diesen Streckenabschnitt auf de Rückweg elegant umfahren. Für das Lauftraining kann man sich eine einigermaßen abwechslungsreiche Runde zwischen 5K und 8K rund um Norddeich und Norden inklusive Kurpark, Strandpromenade und Deich zusammen basteln. Alles was darüber hinaus geht wird schnell eintönig. Im Hinterland gibt es nicht wirklich viel zu sehen (außer Kühen, Pferden und Schafen) und die Strecke an Meer und Deich entlang verliert nach ein paar Tagen auch ihren Reiz. An dieser Stelle muß ich natürlich zugeben, daß ich von meiner Heimat - was die Laufstrecken angeht - schon etwas verwöhnt bin. Ganz so schlimm kann es nicht gewesen sein, sonst wäre ich in zwei Wochen keine 100 Kilometer gelaufen (plus Radtouren und lange Spaziergänge).

 

  

Wer zur Abwechslung mal keinen Asphalt unter den Sohlen haben möchte hat die Möglichkeit auf der Deichkuppe Richtung Westermarsch zu laufen. Unbefestigte Feldwege enden mit schöner Regelmäßigkeit in Sackgassen oder an einem der vielen Entwässerungsgräben. Eine Radtour Richtung Greetsiel bietet schon etwas mehr Abwechslung. Es hat schon seinen Grund, daß die Biker gegenüber den Läufern rund um Norddeich ungefär im Verhältnis 300:1 in der Überzahl sind und ich keinen einzigen Läufer mit einer Ausrüstung für einen längeren Lauf gesehen habe.

Links der Hafen von Greetsiel, rechts eine der beiden Zwillingsmühlen, die bei einem schweren Sturm vor einigen Jahren stark beschädigt und inwzischen wieder vollständig restauriert wurde.

 

In der Nähe liegt auch noch der berühmte Leuchtturm von Pilsum (das ist der, der so gerne in der Werbung mißbraucht wird) aber insgesamt 45 Kilometer mit dem Rad hatten mir an dem Tag gereicht. Vielleicht beim nächsten Mal.

Als Ausgleich für die eher bescheidene Tauglichkeit als Laufterrain haben Norddeich und Norden eine ganze Menge an Ausflugszielen zu bieten. Beispielsweise die Robbenaufzuchtstation. Ende August wurden dort insgesamt 104 Heuler aufgepäppelt, die in den nächsten Wochen dann wieder ausgewildert werden sollen. Am besten schaut man während der Fütterungszeiten dort vorbei. Dann ist es zwar etwas voller, aber es gibt mehr zu sehen. Die knuffeligen Viecher wissen genau was los ist wenn der Typ mit den Plastikeimern um die Ecke kommt.

 

Des Weiteren gibt es noch das Ostfriesiche Teemuseum (was kaum jemand weiß: es gibt nicht nur eine japanische sondern auch eine ostfriesische Teezeremonie), das Waloseum (unter anderen mit dem 15 Meter langen Skelett eines Pottwals), ein Automuseum, das Erlebnisbad Ocean Wave, eine sehr schöne Anlage für Adventure Golf (18 Bahnen auf Kunstrasen, mal was anderes als das bekannte Minigolf) und Schloß Lütetsburg (das Schloß selbst ist in Privatbesitz und kann leider nicht besichtigt werden, aber der dazu gehörige Park ist sehenswert). Alles liegt schön zentral so daß wir das Auto nur einmal für einen Großeinkauf benutzt haben und ansonsten alles zu Fuß oder mit dem Rad erledigen konnten.

Links: das Teemuseum in der Innenstadt von Norden, rechts: vorbildliche Beschilderung von Radwegen

     

Und sonst? Einen kleinen Wochenmarkt gibt es Freitags in Norddeich, einen größeren Montags in Norden. Frischen Fisch, leckere Fischbrötchen und Fischgerichte (aber auch ein paar andere) gibt es zum Beispiel im "Krabbenkutter". Liegt etwas versteckt ein paar Meter abseits der Einkaufsstraße, ist aber recht günstig. Kostenloses WLAN gibt es rund um die Touristeninfo fast bis zum Strand. Original ostfriesichen schwarzen Tee sollte man mal probiert haben. Wer keinen schwarzen Tee mag, dem empfehle ich Sanddorn-Tee (kam auch als Mitbringsel gut an). Es gibt einen separaten Hundestrand an dem sich die Vierbeiner ohne Leine austoben dürfen. Wer im Hinterland längere Strecken mit Hund laufen will, sollte Wasser dabei haben. Sauberes fließendes Wasser habe ich nirgendwo gesehen und die Entwässerungsgräben sahen nicht gerade vertrauenserweckend aus.

Fazit: Toller Urlaub, der Rest der Familie war begeistert und ich werde bestimmt noch mal nach Norddeich kommen. Aber dann wird vermutlich mehr Fahrrad gefahren als gelaufen.


„53. Kannnenbäcker-Land Wanderung“, Ebernhahn, 24K, 450 HM

Auch unabhängig von offiziellen Wanderveranstaltungen ist die Gegend rund um Ebernhahn, Ransbach-Baumbach und Dernbach ein Paradies für Langstreckenläufer. Die Auswahl an bestens ausgeschilderten Wanderwegen ist wirklich sehenswert. Nur ein paar Beispiele (dazu kommen noch mehrere kürzere Rundwanderwege):

Bei der IVV-Wanderung ging es von Ebernhahn aus erst einmal ziemlich asphaltiert nach Ransbach-Baumbach bis zum ersten Kontrollpunkt am Erlenhofsee.

Wer sich für die beiden kürzeren Strecken über 5K oder 12K entschied, dürfte etwas enttäuscht gewesen sein. Die Passage vorbei am Industriegebiet und mitten durch ein großes Wohngebiet war nicht wirklich interessant. Überrascht hat mich nur die kleine Marienkapelle, die früher vermutlich außerhalb des Ortes gelegen hat und von diesem regelrecht geschluckt worden sein muß.

 

Auf der langen Runde wurde es erst hinter Ransbach-Baumbach landschaftlich schöner. Viel Wald, ein paar nette Trailpassagen und ein kurzer Abstecher über den Limespfad in der Nähe von Neuhäusel (siehe den Bericht von meinem gemeinsamen Lauf mit Jörg) vorbei an den Ruinen des Römerkastells.

Bis Kilometer 10 war die Strecke, was das Höhenprofil anging, ziemlich harmlos. Danach folgte allerdings der langgezogene Anstieg hinauf zum Köppel, mit 540 M.ü.M. immerhin die zweithöchste Erhebung in dieser Gegend (nur die sogenannte Alarmstange hat noch 5 Meter mehr zu bieten). Dafür ging es auf der anderen Seite genauso langgezogen wieder herunter, aber auf gut befestigten Wegen, so daß man noch einmal Tempo machen konnte. Vorbei an Dernbach hatte man die Strecke auch hier mitten in den Wald verlegt, was bei steigenden Temperaturen genau richtig war. Andere Veranstalter haben in den letzten beiden Wochen die Notbremse gezogen und aufgrund der Temperaturen die Wanderungen abgesagt. Bei Strecken, die über freies Feld führen, durchaus zu verstehen.

Insgesamt ein schöner Trainingslauf, auch wenn ich einen Teil der Strecke schon kannte und ich nicht wirklich viele Fotomotive finden konnte. 


Es gibt eine neue "Wäller Tour" - Die "Hohe Hahnscheid"

Mit nur 10 Kilometern und 230 Höhenmetern gehört die Tour zu den kürzesten Wäller Touren, lohnt sich aber trotzdem wegen ein paar richtig schöner Aussichtspunkte und ein paar kleinerer Sehenswürdigkeiten.

Gestartet wurde an der Kirche in Irmtraut, wo man auch problemlos parken kann - außer wenn das Rathaus geöffnet ist, dann sind die Plätze nämlich den Besuchern vorbehalten. Warum die Tour den Beinamen "Andachtsweg" trägt, findet man gleich auf dem ersten Kilometer heraus. Insgesamt kommt man an einem halben Dutzend Bildstöcken vorbei.

 

Nach einem weiteren Kilometer ist der erste schöne Aussichtspunkt, der Hessenblick erreicht. Bis dahin hat man schon die ersten Höhenmeter in den Beinen. Trotz der kurzen Distanz sollte man das Streckenprofil übrigens nicht unterschätzen.

Anschließend geht es durch die Holzbachschlucht. Lustigerweise zum ersten Mal für mich in "entgegengesetzter" Richtung. Bisher bin ich dort immer nur im Rahmen des Wiesensee-Halbmarathons oder bei Trainingsläufen mit Jörg unterwegs gewesen, aber immer nur in Nord-Süd-Richtung aus Seck kommend.

Kurz vor Seck verlassen wir die Wiesensee-Strecke wieder und laufen Richtung Irmtraut. Vorher macht die Strecke noch einen kleinen Bogen hinauf zur "St. Josef Kapelle". Leider verschlossen, aber auch von außen nett anzusehen.

Blick zurück auf Seck:

Und noch das "Irmtrauter Kreuz" direkt an der Landstraße:

Auf den letzten Metern Richtung Irmtraut sollte man noch einmal aufpassen. Im Prinzip kann man hier auf Sicht laufen, aber zwei der Pfosten mit den Wegmarkierungen wurden entweder falsch installiert oder ein Witzbold hat sie im 90-Grad-Winkel herum gedreht. So wie sie heute standen, sind sie eher verwirrend. Leider waren sie verschraubt und wir konnten sie nicht herum drehen, aber Jörg will mal beim Touristikverein Bescheid sagen.

Insgesamt eine wirklich schöne Strecke. Bei Regenwetter sollte man geeignetes Schuhwerk wählen, da es mehrfach crossmäßig querfeldein über die Wiese geht. Bei trockenem Wetter tun es die Allrounder oder leichte Trailschuhe. Wasser für vierbeinige Begleiter gibt es in der Holzbachschlucht.


Der Lahnwanderweg von Laurenburg nach Obernhof - wenn hier schon die Wanderer für eine Alpenüberquerung trainieren ...

Praktischerweise führte mich die Anreise diesmal über Holzappel. Am Ortsrand erspähte ich das Schild "Wanderparkplatz am Friedhof" und da ich nicht sicher war, wie gut man in Laurenburg parken kann - wäre übrigens kein Problem gewesen - stellte ich mein Auto einfach mal spontan ab. Vor hier führt ein Zuweg des Lahnwanderweges - nennt sich "Burgenweg" - direkt nach Laurenburg hinunter. Der erste Abschnitt durch ein kleines Waldstück und über freies Feld nach Scheidt hat - genau wie der Ort selbst - nicht viel sehenswertes zu bieten. Hinter Scheidt führt dagegen ein netter Trail direkt hinunter nach Laurenburg. Auf halber Strecke lohnt sich ein kurzer Umweg zum Wotansfelsen, von wo man einen super Blick auf die tiefer gelegene Burg hat. An der Burg hat man die Möglichkeit entweder den offiziellen Zuweg zum Lahnwanderweg zu nehmen oder den historischen Lehrpfad, der direkt auf dem Burggelände beginnt. Bei ersterem muß man nachher ein Stück durch Laurenburg laufen, der zweite ist etwas anspruchsvoller, hat mir aber besser gefallen und endet direkt am Bahnhof. Von dort geht es über die Hauptstraße auf den eigentlichen Lahnwanderweg und gleich in die erste Steigung. Bis Obernhof sind von hier aus rund 9K fällig, aber die haben es in sich. Zusammen mit dem Burgenweg hatte ich am Ende 23K und knackige 840 positive Höhenmeter laut Runtastic auf dem Tacho. Unterwegs treffe ich noch zwei alte Bekannte, die zusammen mit einem anderen Ehepaar für eine Alpenüberquerung auf den Spuren des Transalpin trainieren. Das sagt schon genug über das Streckenprofil. Die vier waren auch noch mit schwerem Gepäck und Wanderschuhen unterwegs. Bei 70% Luftfeuchtigkeit kam ich schon mit der leichten Laufausrüstung übermäßig ins Schwitzen.

Die Trails lassen sich zwar auch mit Allroundern problemlos bewältigen - bei nassen Wetter würde ich aber leichte Trailschuhe mit gutem Profil empfehlen - aber auf Tempo muß man hier wirklich nicht laufen. Dafür lohnen sich weitere Abstecher zu den ausgeschilderten Aussichtspunkten. Der schönste befindet sich einen Kilometer vor Obernhof und nennt sich Goethepunkt (siehe Foto).

Wer mit dem Hund unterwegs ist sollte vor allem bei warmen Wetter genug Wasser dabei haben. Die Lahn sieht man - außer in Laurenburg und Obernhof - nur von Weitem und Wasserstellen für Vierbeiner sind hier Mangelware.

 


Der Lahnwanderweg von Balduinstein nach Laurenburg - Drei Burgen zum Preis von einer

Rund 290 Kilometer kann man entlang der Lahn laufend zurück legen und irgendwann will ich jeden dieser Kilometer wenigstens einmal gelaufen sein. Ein Abschnitt, den ich bisher noch gar nicht gelaufen bin, führt von Balduinstein über die Schaumburg hinunter nach Laurenburg. Das Ganze könnte mal also auch als "Drei-Burgen-Tour" bezeichnen. Parken kann man mitten in Balduinstein auf der linken Lahnseite (mit Parkscheibe 3 Stunden).

Die Ruine von Balduinstein

Richtung Schaumburg sind gleich mal die ersten happigen Höhenmeter fällig und ich bin froh, mich für die geländetauglichen Schlappen entschieden zu haben. Dafür führt die Strecke mitten durch den Wald und weiter über einsame und zum Teil recht anspruchsvolle Trails hinauf zum Schaumburg, die ja eigentlich keine Burg sondern ein Schloß ist. Die Schaumburg konnte man früher mal inklusive eines Museums besichtigen und der Blick vom Turm war genial. Später sollte dann ein Hotel aus dem Schloß werden (wer in etwa mein Jahrgang ist, wird sich vielleicht daran erinnern, daß das schon bei den Schreckensteinern in die Hose ging). Inzwischen ist das Schloß schon seit Jahren in Privatbesitz und nicht mehr öffentlich zugänglich. Eigentlich schade.

Von der Lahn gibt es auf diesem Teil des Lahnwanderweges übrigens herzlich wenig zu sehen. Erst ab Laurenburg ist man wieder ein Stück am Fluß unterwegs.

Blick Richtung Laurenburg mit der gleichnamigen Burg, die ein kleines Militärmuseum beherbergt. Da ich nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Militärs der Meinung bin, daß die Welt ohne sie besser dran wäre, verzichte ich auf eine Besichtigung.

 

Dummerweise läßt mich jetzt mein Handy im Stich. Keine Internetverbindung, kein Zugriff auf die Kartenfunktionen meiner Naviapps. Und gerade jetzt kam ich auf die glorreiche Idee, mir den Rückweg als Pendelstrecke zu ersparen und stattdessen spontan einen kleinen Rundkurs zu laufen. Man kann sich schon denken, daß das nicht ganz so wie geplant geklappt hat, aber Karma bedeutet eben auch, daß jede Entscheidung, die man trifft, direkte Auswirkungen im jetzigen Leben hat mit denen man klar kommen muß. Motzen hilft da nichts. Angeblich sind die Inder deshalb so gute Programmierer, weil sie dieses Prinzip von Ursache und Wirkung so weit verinnerlicht haben, daß sie im Falle eines EDV-Problems lieber zugeben, daß die Mist codiert haben als die Schuld beim Computer zu suchen. Aber das nur am Rande.

Direkt an der Laurenburg kann man auf den Lahnhöhenweg wechseln. Es geht ein ganzes Stück asphaltiert in Sichtweite des Lahntals entlang und man hat die Schaumburg im Blick. Die Wanderkarte lag zu diesem Zeitpunkt übrigens bei mir zu Hause im Regal, wo sie eben nicht hingehört. An der nächsten Weggabelung verführt mich ein Trail, der sich in Serpentinen hinunter zur Lahn windet. Immer noch alles im grünen Bereich. Ich schlage auf halbem Weg Richtung Geilnau auf dem Radwanderweg ein. Ab hier wird es unschön. Biker in Massen, keine alternative Route zu finden, die nicht mindestens 150 weitere Höhenmeter verspricht und kaum noch Wasser im Rucksack. Die Temperaturen sind OK, aber 65 % Luftfeuchtigkeit sind es nicht. Ich schwitze wie ein Tier und entschließe mich, stur die Lahn hinauf zu traben. Hauptsache flach und keine weiteren Umwege mehr. Noch mehr Biker im Gegenverkehr. Endlich ein schöner Singletrail, der sich wellig am Ufer entlang windet und ein Schild "Radfahrer absteigen". Anscheinend ist das Schild nicht groß genug, denn mir kommen insgesamt drei Trupps mit rund 15 Radfahrern entgegen, die mich immer wieder zu Pausen in der Botanik zwingen, wenn ich nicht mit einem Lenker kollidieren möchte. Die letzte Gruppe gibt mir den Rest. Ein halbes Dutzend Senioren auf E-Bikes. Ich tröste mich damit, daß ein paar hundert Meter hinter mir ein paar umgestürzte Bäume quer über dem Weg liegen. Auch eine Form von Karma. Die Herrschaften hätten ja auch die ausgewiesene Radstrecke nehmen können. Wäre mit Elektroantrieb ziemlich egal gewesen. Auch am anderen Ende des Trails steht übrigens das bereits erwähnte Schild. So ändern sich die Zeiten. Früher haben die älteren Herrschaften gemotzt, wenn man als Teenager mit seinem Rennrad die Abkürzung durch die Fußgängerzone genommen hat, heute brettern sie mit E-Bikes durch die Gegend. Die letzten Kilometer bis Geilnau sind wenigstens so breit, daß man den radelnden Truppen nicht mehr ins Gehege kommt. Die nächste Gruppe fragt wenigstens, wie sie am besten nach Laurenburg kommt und ich gebe ihnen den Tip mit den umgestürzten Bäumen. Dafür verpasse ich in Geilnau die Fortsetzung des Wanderweges und finde mich am Ortsausgang wieder. Noch 3K bis nach Balduinstein, Landstraße, breiter Seitenstreifen, Augen auf und durch. Die Biker, die mir hier entgegen kommen schauen mich etwas komisch an. Liegt vielleicht daran, daß ich mit Wut im Bauch im Renntempo unterwegs bin weil ich endlich Feierabend machen will.

Fazit der Story: Nie auf die Technik verlassen, Radwege am Wochenende (außer im Winter) meiden und in fast jedem Gelände mit älteren Herrschaften auf E-Bikes rechnen.


Molbergen bei Cloppenburg – flach aber erholsam

Da bisher niemand, dem ich von unseren Urlaubsplänen erzählt habe jemals von Molbergen gehört hat, erst einmal eine kleine geographische Einordnung. Molbergen liegt im Niedersächsischen Flachland in der Nähe von Cloppenburg und hat – mit allen Vororten – rund 8.000 Einwohner. Bis zur Küste sind es noch ein paar Kilometer, aber gegrüßt wird hier schon fast durchgängig mit "Moin". Basislager für meine Erkundungsläufe war der Ferienpark „Dwergter Sand“ am Ortsrand von Dwergte. Um es vorweg zu nehmen: für die Vorbereitung auf einen Ultratrail mit 1.200 Höhenmetern ist die Gegend nicht gerade das perfekte Trainingsgebiet, aber für einen erholsamen Sommerurlaub war es genau das Richtige. Überzeugte Hardcore-Geländeläufer sollten hier eine kleine Laufpause einlegen und auf das Fahrrad umsteigen bevor sie in Depressionen verfallen. Das Radwegenetz ist perfekt ausgebaut und bestens beschildert und für 2,95 € bekommt man eine ziemlich gute Radwanderkarte. Die Wege sind nach Knotenpunkten organisiert und wer etwas voraus planen will, kann sich seine Trainingsstrecke mit Hilfe der Karte auf den Kilometer genau aussuchen. Echte Trails findet man dagegen auch dann nicht, wenn man gezielt danach sucht. Allenfalls kann man sich irgendwo in dem etwa 6 Quadratkilometer großen Waldgebiet nordöstlich von Dwergte ein paar unbefestigte Waldwege suchen. Die meiste Zeit über habe ich mich daher an die Radwege gehalten. Sogar am Wochenende verteilen sich die Biker auf Aberdutzende von Kilometern sodaß man nie Gefahr läuft überfahren zu werden. Rasende Mountainbiker habe ich auch nicht gesichtet, aber die wären bei dem Gelände auch technisch etwas overdressed gewesen. Für Strassenrennmaschinen sind viele Wege auch nicht so richtig geeignet. Ein 7-Gang-Tourenrad tut es hier völlig. Läufer habe ich in der ganzen Woche genau einen gesehen.

Eine schöne Tour führt zur Thülsfelder Talsperre und um diese herum. Bei 28 Grad im Schatten konnte ich auch mal die Füße in den See halten. Es gibt mehrere sandige Abschnitte die sich für eine gepflegte Pause anbieten und ein nettes Cafe direkt am See. Im Frühling brütet hier eine Wildgansart. Den Gänsemuttis sollte man höflicherweise immer etwas Zeit geben, ihre Jungen zur Seite zu scheuchen – vor allem wenn sich diese im hohen Gras nebem dem Radweg versteckt haben. Der Rückweg führt am Ende über eine drei Kilometer lange und fast schnurgerade alphaltierte Strecke zurück nach Dwergte und vorbei am Waldlehrpfad. Wem das zu öde ist, der kann sich an den Infotafeln ein wenig ablenken oder dann eben doch die Waldwege wählen. Vom Ferienpark einmal um den See herum sind es rund 18K. Wenn man sich an der Westseite des Sees hält kann man etwa 2K abkürzen.

Bis nach Molbergen sind es keine 4K. Es gibt dort ein sehr gutes Eiscafe, zwei Bäckereien, zwei Apotheken, ein paar kleinere Geschäfte, drei Supermärkte und zwei Kirchen. Wenn man den Rundkurs über Neumühlen und Stedingsmühlen wählt kommt man auf 13K. Landschaftlich hat die Strecke nicht viel zu bieten aber man kommt an mehreren alten Bauernhöfen im Fachwerkstil vorbei – der älteste aus dem 16. Jahrhundert.

Die Beschilderung der Radwege ist wirklich vorbildlich.

Direkt neben der Kirche findet man das bereits erwähnte Eiscafe. Für 2,- € bekommt man einen sehr guten Cappuchino, für 5,50 € einen großen Eisbecher.

Ein echt lohnenswerter Ausflugstip ist das Museumsdorf in Cloppenburg mit über 50 restaurierten historischen Gebäuden, die alle begehbar sind. Darunter zwei vollständige Bauernhöfe, ein großes Herrenhaus, drei Mühlen und eine Kirche samt Friedhof. Von Dwergte aus sind es 13 Kilometer, die man fast komplett über Radwege laufen kann. Hunde sind dort erlaubt und der Eintritt ist mit 7,50 € (ermäßigte Karten für 7,- € gibt es im Ferienpark an der Rezeption) absolut in Ordnung. Eineinhalb Stunden sollte man für den Rundgang einplanen. Direkt am Ein- und Ausgang findet man einen Laden für Mitbringsel zu fairen Preisen.

Noch ein allgemeiner Hinweis für Läufer in vierbeiniger Begleitung: Fließende Gewässer sind in der Gegend ziemlich selten. Gerade im Sommer sollte man auf jeden Fall Wasser dabei haben.


Die Vier-Täler-Tour, Nassau – Singhofen – Kloster Arnstein – Obernhof, 28 Kilometer, 610 HM

Auch in Zeiten von  Internet und GPS ist es manchmal lohnenswert, wenn man mal wieder in einem alten Wanderführer blättert. Den über den Naturpark Rheintaunus hatte ich als Restposten für wenig Geld bei einem Buchhändler einkassiert und die Vier-Täler-Tour war mir gleich ins Auge gefallen. Die Orte auf der Strecke kannte ich von verschiedenen Gelegenheiten aber der Rundwanderweg war mir bisher entgangen. Der empfohlene Startpunkt am Bahnhof von Nassau bot sich gerade an einem Sonntag an. Gut zu erreichen und genug kostenlose Parlplätze direkt am Track – und eine empfehlenswerte Eisdiele für später direkt um die Ecke. Über die Brücke geht es auf die andere Lahnseite und erst einmal flach drei Kilometer durch das erste Tal.

links: Woher die Tour ihren Namen hat erkennt man übrigens auf der vorbildlichen Beschilderung

und sonst: die Stärke der Strecke liegt definitiv auf der Landschaft und den vielen Trails, die rund 70% der insgesamt 28 Kilometer ausmachen (wenn man sich stur an den Wanderführer hält, verpaßt man übrigens eine schöne Passage nördlich von Obernhof, auch wenn man dadurch drei Kilometer und einige Höhenmeter spart)

 

Richtung Singhofen wird die Strecke dann schon richtig anspruchsvoll. Die Singletrails winden sich entlang der Felsen nach oben und sind an einigen Stellen durch Stahlseile gesichert.

links: flach geht anders      rechts: die Kirche in Singhofen

 

Die Passage durch Singhofen ist nicht der große Renner und führt größtenteils durch ein Wohngebiet, aber gleich hinter dem Ort geht es wieder ins Gelände. Nächster Halt ist dann das Kloster Arnstein oberhalb von Obernhof. Ein kleiner Abstecher lohnt sich hier auf jeden Fall. Auf den nächsten Kilometern kann man das Kloster dann noch einmal von allen Seiten betrachten.

 

In Obernhof geht es wieder hinüber auf die rechte Lahnseite. Theoretisch kann man auch auf der linken Lahnseite bleiben und sich an einen Radwanderweg halten, der flach am Ufer entlang bis Nassau führt, aber für echte Trailrunner kommt das natürlich nicht in Frage. Also geht es noch einmal hoch und ein Stück auf den Gelbachtal-Höhenweg bevor es dann auf einem langgezogenen Trail vorbei am Aussichtspunkt "Hohe Lay" zurück nach Nassau geht. Auf halbem Weg zwischen Obernhof und Nassau kommt dann auch die einzige Stelle an der die Beschilderung nicht ganz optimal ist. Ein schöner Trail führt mit leichtem Gefälle direkt auf die Lahn zu und plötzlich geht es im scharfen Winkel rechts wieder nach oben. Wer hier - so wie ich - auf seine Füße und die Strecke schaut läuft an dem Schild vorbei und wundert sich dann, daß er plötzlich kurz vor der Straße steht.

links: Blick auf Obernhof     rechts: Nassau in Sicht

 

Fazit: Eine wirklich tolle Strecke. Auch Laufkumpel Jörg war begeistert. Durch die Regenfälle der letzten beiden Tage waren ein paar Passagen etwas matschig aber auch wenn es längere Zeit trocken ist, empfiehlt sich geländegängiges Schuhwerk. 28 Kilometer und 610 Höhenmeter sind für einen Trainingslauf schon ganz ordentlich. "Täler" klingt eher nach Flachtstrecke aber es sind auch ein paar knackige Anstiege dabei, die ordentlich Zeit kosten. Der Rucksack mit ausreichend Verpflegung ist also Pflicht. Wer seinen Vierbeiner dabei hat kommt ohne zusätzliches Wasser aus. Außer auf den letzten fünf Kilometern läuft man fast ständig in der Nähe von Bächen mit sauberem Wasser. Ich würde eine 2+ vergeben (ohne die Passage in Singhofen wäre es eine 1 geworden).

Weitere Infos und Bilder findet man hier: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/lahntal/vier-taeler-tour/1386467/


Der Gruben-Wanderweg rund um Herdorf (Daadener Land, Westerwald), 25 Kilometer, 800 HM

Für alle, die sich in der Gegend nicht so gut auskennen: Herdorf liegt im nördlichen Westerwald in der Mitte eines gedachten Dreiecks zwischen Hachenburg, Siegen und Haiger und gehört zum Landkreis Altenkirchen. Das ganz in der Nähe liegende Daaden war früher einmal recht bekannt, weil in der Nähe einer der größten Truppenübungsplätze der Bundeswehr lag (unter anderem auch mit einer Fahrschule für Panzer).

Als Startpunkt der Tour bietet sich - besonders am Wochenende - der Lidl-Parkplatz an. Von dort kann man direkt auf den Track starten und der Eissalon um die Ecke ist auch zu empfehlen. In welche Richtung man die Tour läuft ist ziemlich egal. Anstrengend wird es auf jeden Fall und um ein paar ziemlich anspruchsvolle Anstiege kommt man nicht herum.

Links: eine der beiden Kirchen in Herdorf direkt am Sartpunkt der Tour

Rechts: eines der vielen Relikte aus Bergmannszeiten, auf die man unterwegs stößt

 

 

Die Beschilderung ist an einigen Stellen noch ausbaufähig. An einigen Abzweigungen fehlt sie ganz und wir waren froh, daß Jörg den Track auf der Uhr hatte. Trotzdem sind wir auf einem schönen Trail prompt an der Abzweigung vorbei getrabt, weil wir auf unsere Füße achten mußten und das Schild irgendwo halbrechts in 2,50m Höhe angebracht war. Wanderer hätten es vielleicht noch gesehen, wir merkten erst nach einem halben Kilometer, daß wir falsch unterwegs sind. Teilweise führt der Weg auch über den  Druidensteig sowie den europäischen Fernwanderweg E1.

Vorsicht! Teile der Strecke werden auch von Mountainbikern genutzt. Im Downhillmodus haben die Sportsfreunde nicht immer einen Daumen für die Klingel frei und anscheinend auch nicht immer genug Puste für einen kurzen Warnruf.

Rechts: Das Gelände des Bergbaumuseums in Sassenroth

  

Blick hinunter auf Herdorf

Der Untergrund ist ziemlich gemischt. Asphalt, Trails, befestigte Waldwege, Schotter ... alles dabei. In bin mit leichten Trailschuhen gelaufen und damit sehr gut zurecht gekommen. Extra-Tip für Hundebesitzer: kleine Bäche und mehrere Teiche gibt es zur Genüge. Man muß also nicht unbedingt Wasser für Fifi mitschleppen wenn man nicht gerade im Hochsommer unterwegs ist. Wer etwas abkürzen will kann auf die südliche Schleife um Herdorf herum verzichten und auf Sicht zum Kirchturm zurück laufen. Das spart etwa vier Kilometer und einen weiteren üblen Anstieg.

Fazit: sehr anspruchsvolles Profil und landschaftlich durchaus reizvoll, aber definitiv nicht für Laufanfänger geeignet. Bei Schnee oder Matschwetter aufgrund der zum Teil heftigen Anstiege nur mit geländegängigen Schuhen zu empfehlen.

Weitere Infos gibt es hier: https://www.ich-geh-wandern.de/auf-dem-grubenwanderweg-herdorf-unterwegs-im-land-der-druiden


Auf Bergmansspfaden durch das Lahn-Dill-Bergland

Diesmal starten Jörg, Nanuk und ich bei strahlendem Sonnenschein, null Wind und leichtem Dauerfrost auf dem Wanderparkplatz am Ortsrand von Wilnsdorf in der Nähe von Haiger. Es geht direkt am Wald entlang mitten ins Lahn-Dill-Bergland und nach zwei Kilometern erreicht man auch schon die erste von mehreren aufgegebenen Grubenanlagen. Aus Sicherheitsgründen können diese zwar nicht betreten werden, aber die überall aufgestellten Infotafeln sind recht interessant und geben einen guten Einblick in die Geschichte dieser Region.

 

Im Gegensatz zur Vorwoche am Knoten ist der Schnee diesmal durch die vielen Wanderern und ein paar Forstfahrzeugen so fest, daß man problemlos laufen kann. Nur auf die Eisplatten sollte man achten. Die Beschilderung der 15 Kilometer langen Rundstrecke ist übrigens absolut vorbildlich. Ein Teil der Strecke führt auch über den Rothaarsteig (erkennbar an dem auf der Seite liegenden stilisierten weißen "R") sowie einen Zuweg zum Druidensteig (erkennbar an dem weißen "O" mit Schnörkel auf schwarzem Grund).

Ein herrlicher Ausblick auf das Lahn-Dill-Bergland vom höchten Punkt der Strecke (544 m.ü.M).

Während die Quelle des weißen Nils jahrelang vergeblich gesucht wurde, war Jörgs Expedition zur Weißquelle zwar etwas kürzer (die Quelle liegt knappe 10 Meter abseits der Strecke) aber dafür ein voller Erfolg. Das Wasser kommt direkt aus dem Berg und ist ohne Auswirkungen auf den Magen trinkbar.

Auf den letzten Kilometern werden die Wege etwas schmaler und technisch anspruchsvoller, aber die insgesamt 280 Höhenmeter verteilen sich so gut, daß man eigentlich überall problemlos laufen kann.

Weitere Bilder und zusätzliche Infos gibt es hier:

https://www.outdooractive.com/de/wanderung/wilnsdorf/auf-bergmannspfaden/1543608/


Der Höhlen- und Schluchtensteig bei Kell in der Eifel

Um es vorweg zu nehmen. Der Rhein-Mosel-Eifel Traumpfad in der Nähe von Kell in der Eifel trägt seinen Namen zu Recht. Ein Teil der Strecke führt tatsächlich durch eine Reihe von begehbaren Höhlen und die Wolfsschlucht ist ebenfalls sehenswert. Los ging es aber am Wanderparkplatz Bergwege, dem höchsten Punkt der Strecke. Die ersten Kilometer führen wellig mit einem knackigen aber recht kurzen Anstieg über gut befestigte Wege bis zum Panoramablick auf die Schweppenburg.

Die Beschilderung ist übrigens absolut vorbildlich. Verlaufen ist völlig unmöglich.

Ab dem Burgblick wird die Strecke anspruchsvoller. Geländegängiges Schuhwerk ist hier die bessere Wahl. Der Herman-Löns-Pfad hat ordentlich Gefälle und endet am Gasthaus Jägerheim. Wir sind froh, daß wir die Strecke im Gegenuhrzeigersinn gelaufen sind und das gute Dutzend Kehren nicht hinauf müssen. Von oben kann man schon mal einen Blick auf die besagten Höhlen und das Viadukt der Brohltalbahn werfen.

  Nach unserer kurzen Höhlenexkursion geht es weiter durch die Wolsschlucht, vorbei an der Ruine des Klosters Tönisstein. Diese ist leider nicht begehbar und außer einer halb durch Dickicht verdeckten Mauer gibt es leider nicht viel zu sehen. Die Wolfsschlucht ist eindeutig sehenswerter. Sogar einen kleinen etwa 9 Meter hohen Wasserfall gibt es hier.

 

Nach einem letzten mäßigen Anstieg hat man dann noch einen schönen Blick auf das Siebengebirge, bevor man nach 13 Kilometern und 400 Höhenmetern wieder den Parkplatz erreicht. Jörg und ich waren uns einig, daß man diese Tour auf jeden Fall noch einmal im Sommer laufen sollte.

Nähere Informationen gibt es hier:

http://www.traumpfade.info/traumpfade-rhein-mosel-eifel/rhein/hoehlen-und-schluchtensteig/


Die Buchfinkentour rund um Gackenbach (15 Kilometer)

Los ging es auf dem Parkplatz direkt an der Kirche am Ortseingang von Gackenbach. Dort befinden sich auch zwei große Schautafeln, die den Rundweg genau beschreiben - übrigens eine weitere "Wäller Tour".

Der Ort ist hier bei uns eher für den nahe gelegenen Wild- und Tierpark bekannt, der ein Standardausflugsziel für Schulklassen und Familien mit Kindern darstellt. Vom handzahmen Reh bis zum Braunbären reicht dort die Palette. Der Rundwanderweg war mir bisher nicht bekannt, auch wenn ich schon mehrmals im nur zwei Kilometer entfernten Gelbachtal unterwegs war, aber Laufkumpel Jörg findet solche Wanderwege mit traumwandlerischer Sicherheit. Gelaufen wurde im Gegenuhrzeigersinn. Die Streckenbeschilderung ist vorbildlich und das bekannte grüne „W“ auf weißem Grund ist kaum zu übersehen. Dazu gibt es noch ein paar Hinweisschilder, die auch die Distanz bis zurück nach Gackenbach angeben. Nur an zwei Stellen sollte man etwas aufpassen damit man die Abzweigung nicht verpaßt. Eine davon liegt am Ende einer langen Passage bei der man an zwei Dutzend Fischteichen vorbei gekommen ist. Hier geht es plötzlich über einen von unten kaum erkennbaren Singletrail nach links und steil wieder nach oben. Ansonsten sollte man immer mißtrauisch werden, wenn man mal für eine Weile keine Beschilderung mehr gesehen hat.

Die Marienkapelle oberhalb von Gackenbach.

Bei der Durchquerung von Horbach sind kurz danach fast schon die letzten Kilometer auf Asphalt fällig, nur an zwei Stellen geht es später kurz an einer Straße entlang, ansonsten ist die erste Hälfte der Strecke von gut befestigten Waldwegen gekennzeichnet.

Aber man sollte sich davon nicht täuschen lassen. Die zweite Hälfte der Strecke hat es in sich. Nicht nur, daß am Ende 460 Höhenmeter im Anstieg zusammen gekommen sind und es zum Schluß noch einmal über zwei Kilometer stur den Berg hinauf geht. Zum Teil sind abenteuerliche Singletrails fällig, die schon im Sommer ein wenig Trittsicherheit erfordern würden. Bei einem tückischen Untergrund aus Neuschnee und nassem Laub kommen Jörg und ich stellenweise gewaltig ins rutschen. Nur Nanuk hat mit seinem Vierpfotenantrieb keine Probleme. An vielen Stellen hat die Strecke schon etwas Wildromantisches und man begegnet kaum anderen Wanderern. Sehenswürdigkeiten gibt es keine aber die Strecke lebt von der herrlichen Naturkulisse. Geländegängige Schuhe sind definitiv empfehlenswert.

Nähere Infos gibt es unter anderem hier:

https://www.outdooractive.com/de/wanderung/westerwald/waeller-tour-buchfinkenland/4055494/


Der Dörsbach-Mühlenweg ab Katzenenlbogen

Der Dörsbach-Mühlenweg trägt seinen Namen zu Recht. Zum einen geht es fast ununterbrochen am Dörsbach entlang und zum anderen findet man unterwegs eine ganze Reihe von Mühlen. Bis auf zwei befinden sich allerdings alle in Privatbesitz und können nicht besichtigt werden. Der Wanderweg hat eine Länge von rund 18 Kilometern und verbindet Katzenelnbogen (20 Minuten südwestlich von Limburg) mit Obernhof an der Lahn. Als Startpunkt hatte ich mir den kostenlosen Parkplatz in der Weiherwiese in Katzenelnbogen gewählt.

Blick auf das Schloß von Katzenelnbogen

Katzenelnbogen Ortsausgang

Die ersten 5 Kilometer sind wenig spektakulär, zumeist flach und die Wege sind größtenteils befestigt. Es geht direkt hinter Katzenelnbogen ein Stück über freies Feld und zu sehen gibt es hier auch nicht viel. Danach wird es spannend. Singletrails, ein paar kurze knackige Anstiege, die die Höhenmeter im Laufe der Tour auf rund 640 summieren und an ein paar Stellen haben die Kletterhilfen durchaus ihre Berechtigung. Bei Nässe ist hier wirklich Vorsicht angebracht. Ich hatte mir das Ganze definitiv einfacher vorgestellt und das Höhenprofil auf der Seite von Ourdooractive sieht harmloser aus, als er in Wirklichkeit ist. Die Passagen, die nah am Dörsbach entlang führen sind nach den Regenfällen der letzten Tage auch für einen Crosslauf geeignet und ich bin froh, daß ich die geländegängigen Schuhe gewählt habe. Anstrengend wird es trotzdem.

  

Verlaufen geht eigentlich nicht. Immer den Schildern mit dem Mühlrad nach (an zwei oder drei Stellen hätte man vielleicht noch eins aufhängen können) und ansonsten stur am Dörsbach entlang, auch wenn die Streckenführung zum Teil etwas abenteuerlich ist. Teilweise geht es ohne jegliche Markierung quer über die Wiese, aber solange man den Bach im Blick hat, liegt man richtig.

Nach 13 Kilometern stehe ich dann vor der Mutter aller Sackgassen. Das Bild ist mit Schräglage aufgenommen und zeigt nur einen kleinen Teil des Problems. Links versperrt ein Abhang mit rund 30% das Weiterkommen. Den Versuch, das Hindernis auf diesem Weg zu umgehen, gebe ich nach zwei Metern auf. Rechts geht es auf kürzestem Weg direkt hinunter in den Dörsbach. Bei 3 Grad Außentemperatur auch keine angenehme Vorstellung. Die Konstruktion zu überklettern erscheint wir auch nicht ratsam. Wenn der größte Stamm im falschen Moment nachgibt bin ich amtlich am Arsch. Ein kurzer Blick auf die Karte hilft auch nicht weiter. Ich müßte ein ganzes Stück an der Strasse entlang laufen um wieder auf den Wanderweg zu kommen, aber dazu habe ich gerade keine Lust mehr. Ich kehre also etwas früher als geplant um und laufe nach Katzenelnbogen zurück. Trotzdem eine schöne Tour, die ich im Sommer noch einmal angehen werde.

 

Mühlen dürfen natürlich auch nicht fehlen

 

Weitere Infos zum Dörsbach-Mühlenweg gibt es übrigens hier:

https://www.outdooractive.com/de/wanderung/lahntal/doersbach-muehlenwanderweg/1395291/#dmdtab=oax-tab1


Die Iserbachschleife rund um Anhausen (Rengsdorfer Land)

Dieser Rundwanderweg gehört zu den Wäller Touren und ist mit 21 Kilometern und 740 Höhenmetern (laut der offiziellen Homepage sind es sogar 771, auf Jörgs Uhr waren es "nur" 680) einer der anspruchsvolleren, aber er lohnt sich. Start und Ziel unserer Tour war Anhausen und wir sind der Empfehlung gefolgt, die Tour gegen den Uhrzeigersinn zu laufen. Nach 4 Kilometern findet sich mitten im Wald bereits die erste Sehenswürdigkeit, nämlich die Ruine der Wallfahrtskapelle Hausenborn. Ein kurzer Spaziergang um die gesamte Ruine lohnt sich wirklich.

 

Über einen anspruchsvollen Singletrail geht es hinunter nach Isenburg (übrigens der tiefste Punkt der Strecke) und von dort hinauf zur gleichnamigen Burgruine. Den Ausblick von der Burg aus hinunter in die angrenzenden Täler sollte man sich nicht entgehen lassen. Wenn man sich hier ein wenig umschaut, weiß man schon, daß es ab sofort anstrengend wird.

 

               

Weiter geht es nach Thalhausen. Zum einen kann man hier die Strecke abkürzen, indem man dem Zuweg zurück nach Anhausen folgt (gelb unterlegte Beschilderung) - dann kommt man nur auf rund 11 Kilometer. Zum anderen kann man in der Thalhausener Mühle eine Rast einlegen. 4,20 € für ein alkoholfreies Weizen halte ich persönlich für etwas übertrieben, aber die Wanderer schien es nicht zu stören. Auf den nächsten 6 Kilometern geht es leicht aber stetig bergauf bevor man bei Kilometer 15 den höchsten Punkt der Strecke erreicht.

Keine offizielle Sehenswürdigkeit, aber trotzdem sehenswert. Direkt über dem Boden gabelt sich der Baum in ein halbes Dutzend Stämme, die aber ein gemeinsames Blätterdach bilden.

Über Rüscheid geht es zurück nach Anhausen. Die Strecke bietet ein paar weitere schöne Singletrails aber an einigen Stellen muß man sich fragen, was der zuständige Oberwandermeister sich da gedacht hat. Ein paar Zick-Zack-Wege durch die Felder erwecken den Verdacht, daß jemand den Rundweg krampfhaft auf die Halbmarathondistanz bringen wollte. Als Zugabe geht es kurz vor Anhausen noch durch eine Senke und einen letzten Anstieg hinauf. Mit einem kurzen Blick auf die Karte kann man sich diesen Umweg gerne sparen und über einen asphaltierten Weg direkt in den Ort hinein laufen.

Bei Regenwetter würde ich diese Tour übrigens nicht unbedingt laufen. Die unbefestigten Passagen zwischen den Feldern dürften sich dann sehr schnell in Matschpisten verwandeln und auf einigen Singletrails wird es bei Nässe mehr als knifflig. Ansonsten ist die Tour absolut empfehlenswert, wenn auch ziemlich anspruchsvoll. Flach geht es nur sehr selten.

Nähere Informationen gibt es unter anderem hier: http://www.rengsdorfer-land.de/willkommen-auf-der-iserbachschleife


15 anspruchsvolle Kilometer mit herrlichen Aussichten - Der Saynsteig

Wie der Name schon vermuten läßt, startet man den Lauf über den Saynsteig am Besten in Sayn (ganz in der Nähe von Koblenz und Neuwied). Genauer gesagt am Schloß Sayn.

Im Vordergrund das Schloß, oben im Hintergrund die Burg (die kommt später noch mal ins Bild).

Die Parkerei gestaltete sich etwas schwierig. Die kostenlosen Parkplätze sind schon vergeben und wir entscheiden uns sicherheitshalber dafür ein Parkticket auf dem einzigen kostenpflichtigen Parkplatz der Umgebung zu ziehen. Für 2,- € hat man dafür aber auch genug Platz.

Offiziell ist der Saynsteig 15,3 Kilometer lang, weist 460 positive Höhenmeter auf und ist als schwer eingestuft - was auch seinen Grund hat. Das Streckenprofil an sich ist schon ganz ordentlich, dazu kommen ein paar nicht ganz einfach zu laufende Singletrails und entlang des Brexbaches ist die Streckenbeschaffenheit aufgrund der Regenfälle der letzten Tage ziemlich abenteuerlich. Trail- oder Wanderschuhe sind hier absolut empfehlenswert. Dafür ist die Streckenbeschilderung ausgezeichnet. Man folgt einfach der orangenen Beschilderung (nicht der blauen, das ist ein 6K kurzer Rundweg namens Traumpfädchen) und kann sich zusätzlich noch an den Kilometerangaben auf den Wegweisern Richtung Sayn orientieren.

Ob man die Strecke mit oder gegen den Uhrzeigersinn läuft spielt eigentlich keine große Rolle - vor allem nicht für die Verteilung der Höhenmeter. Wir sind "gegen die Uhr" gelaufen und hatten nach dem ersten knackigen Anstieg gleich einen schönen Blick quer durchs Tal auf die Burg.

Blick Richtung Rhein und zum ehemaligen Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich.

links: Der schön restaurierte Limes-Wachturm   rechts: gleich hinter dem Turm kann man nachschauen, wo man herkommt


  

Die aufgegebene Bahnlinie am Brexbach

Ab hier geht es entlang des Brexbaches und vorbei am Pfadfinderlager. Auf Asphalt läuft man beim Saynsteig übrigens nur ein kurzes Stück direkt in Sayn und bei der Ortsdurchquerung von Stromberg.

                                                                                                rechts: bald geschafft. Blick hinunter zur Abtei von Sayn

 

Und zum Abschluß noch ein kleiner Abstecher hoch zur Burg. Die letzten Höhenmeter lohnen sich noch einmal.

Kleine Anekdote zum Abschluß: Jörgs Nanuk ("Das ist ein Samojede") wurde nacheinander für einen Malamut, einen Husky (!) und einen Riesenspitz (!!) gehalten. Der Wanderer, der ihn mit "Hallo Lassie" begrüßt hat war hoffentlich ein Witzbold. Ansonsten sollte man ihm ganz schnell die Fahrerlaubnis entziehen.

Nähere Informationen zum Saynsteig gibt es auch hier :

http://www.traumpfade.info/traumpfade-rhein-mosel-eifel/rhein/saynsteig/


Rund um Leiwen - Moselsteig, Römersteig und viele Höhenmeter

In Leiwen findet seit ein paar Jahren der Trail an der römischen Weinstrasse statt, aber bisher bin ich noch nie dazu gekommen, mich dort rechtzeitig anzumelden. Ein guter Grund für einen Familienurlaub in der Gegend und ausgiebige Trainingsläufe auf den vielen Wanderwegen. Als Basislager hatten wir den Ferienpark Landal Sonnenberg oberhalb von Leiwen gewählt. Außerhalb der Ferien durchaus bezahlbar und so zentral gelegen, daß man das Auto die ganze Woche stehen lassen kann. Direkt vom Park aus kann man in alle Richtungen loslaufen. Der einzige kleine Nachteil ist der, daß der Park tatsächlich auf einem Berg liegt. Egal aus welcher Richtung man kommt, am Ende geht es immer bergauf - und das meistens nicht zu knapp. Ein scheinbar lockerer Lauf mit 10 Kilometern kann es schon mal auf 330 Höhenmeter bringen.

Blick vom Wildgehege am Parkrand Richtung Moseltal. Hier kann man - als kleinen Einstieg und für einen ersten Erkundungsauf - die vier Kilometer lange Sonnenbergrunde in Angriff nehmen.

Laut der Homepage der Gemeinde Leiwen sind in der Gegend rund 100 Kilometer an Wanderwegen ausgeschildert, dazu kommen noch haufenweise nicht ausgeschilderte Trails und unzählige Querverbindungen durch die Weinberge. Zur Auswahl stehen die kürzeren Rundwege rund um Leiwen, die mit LE1 bis LE9 beschildert sind, dann gibt es natürlich den Moselsteig (erkennbar an den fünf ungleichmäßigen gelben Balken), den "Seitensprung" (erkennbar an den hellgrünen Balken), den Römersteig und ein paar längere Wanderwege, die man an einem "R" bzw. "RW" erkennt. Außerdem kann man sich auch noch recht einfach an den vielen Wegweisern orientieren, die zu den Orten in der Umgebung, Sehenswürdigkeiten oder Aussichtspunkten führen.

Einer der schönsten Aussichtspunkte ist der Fünfseenblick. Angeblich sieht die Mosel von dort wie eine Kette von fünf Seen aus (ich konnte leider nur vier erkennen). Die Aussicht vom Turm aus ist die 20 Extrahöhenmeter und die 105 Stufen auf jeden Fall wert.

Ein weiterer Aussichtspunkt ist das sogenannte Moselkino. Von hier aus geht es entweder direkt hinunter über die Brücke auf die andere Moselseite nach Trittenheim oder hoch zur Konstantinhöhe, wo der römische Kaiser nach dem der Aussichtspunkt benannt wurde angeblich eine Erscheinung in Form eines Kreuzes gehabt haben soll. Der Trail hinunter Richtung Moselbrücke ist einer der anspruchsvolleren.

   

Blick auf Trittenheim

Das Brückentürmchen in Trittenheim. Hier verzweigt sich der Römersteig in verschiedene Richtungen.

Direkt an der Nebelgrenze kurz vor dem Moselsteig Richtung Zummeterhof

Kurz vor Zummeterhof zweigt ein schöner Trail Richtung Marienkapelle ab, der aber leider in einer Sackgasse endet.

 

Am besten folgt man hier dem ausgeschilderten Weg hinunter zur Strasse Richtung Heidenheim und läuft dann wieder über ein paar Trails zum Sonnenberg hinauf. 

Der Weinbrunnen in Leiwen. Wer es ausnahmsweise einmal flach möchte, kann über den Radweg entlang der Mosel laufen.


Halfterweg, Hare Mauer, Lahnhöhenweg – Vatertag für Langstreckenläufer

Eigentlich hatte ich mir ja überlegt, heute beim Westerwaldlauf in Rengsdorf an den Start zu gehen, aber dann wäre ich fast den ganzen Tag unterwegs gewesen und die spontan ausgesprochene Einladung zum Familiengrillen wollte ich dann doch nicht ausschlagen. Also schnell umdisponiert, den Laufrucksack gepackt und eine schöne Strecke zusammen gebastelt, die an der Haustür beginnt und pünktlich zum Mittagessen am Grill endet.

Zum Warmlaufen ging es erst einmal über eine meiner Haustrecken hoch nach Eppenrod, wo eigentlich eine Vatertagswanderung über den Halfterweg stattfinden sollte, aber 8:00 war für die meisten Wanderer wohl doch etwas zu früh. Außer einem anderen Läufer, zwei Mountainbikern und ein paar Hundebesitzern war noch niemand unterwegs. Erst kurz vor Altendiez überholte ich die erste Wandergruppe – übrigens ohne Bollerwagen. Hinter Altendiez entschließe ich mich zu einem kleinen Umweg über den Klettersteig „Hare Mauer“.

Der Untergrund ist noch tückischer als es aussieht, an Laufen ist bei stellenweise 15% Gefälle nicht zu denken und nach einem Kilometer schlage ich auf dem Lahntalradwanderweg ein. Da dieser heute die reinste Bikerautobahn ist, wechsle ich bei Balduinstein schnell die Lahnseite.

 

Von Balduinstein aus geht es über den Lahnhöhenweg, der sogar Teil des Jakobswegenetzes ist. Bis Birlenbach sind es nur vier Kilometer, aber die lohnen sich. Man hat einen schönen Blick aufs Lahntal und die Strecke hat stellenweise Trailcharakter. In die andere Richtung kann man diesem Weg übrigens bis Lahnstein folgen.

Ich umgehe Diez in der Nähe der zentralen Sportanlage - Intervalle auf der Bahn stehen heute bestimmt nicht auf dem Programm und wechsle an der Reitanlage vom Lahntal ins Aartal.

Im Aartal sind dann wieder die Fahrradfahrer in der Überzahl, aber es sind nur noch ein paar flache Kilometer bis zum Treffpunkt mit der Familie. Die Currywurst vom Grill und zwei Flaschen alkoholfreies Radler habe ich mir nach 28,5 Kilometern und 640 Höhenmetern (laut Runtastic) jedenfalls verdient.


Die Taunussteiner Runde

Schönstes Sonntagswetter und nur noch eine Woche bis zu Jörgs Start beim WUT. Beste Gelegenheit also für einen letzten Härtetest und da sich Jörg die Foltermethode … äh … ich meine natürlich die Trainingsstrecke selbst ausgesucht hatte, ging es nach Taunusstein-Neuhof. Die "Taunussteiner Runde" ist ein permanenter Rundwanderweg von ziemlich genau 42 Kilometern (zumindest laut Runtastic) -  der Rest ergibt sich aus dem Namen und dass es im Taunus selten flach zugeht kann man sich ja auch denken. Dem geneigten Läufer sei schon an dieser Stelle Vorsicht empfohlen. Ohne GPX-Track wären wir an mindestens drei Stellen falsch gelaufen, weil einige Hinweisschilder so tückisch angebracht sind, daß man sie – je nachdem in welcher Richtung man den Rundkurs läuft – nur dann sieht, wenn man sich im richtigen Moment zufälligerweise umschaut. Wenn man eine Weile kein Schild mit dem blauen „T“ gesehen hat, sollte man misstrauisch werden. Außerdem verführen manche Wege geradezu danach im Tran oder angeregt plaudernd geradeaus zu laufen, obwohl es unvermutet ab ins Gelände geht.

Die Strecke bietet so ziemlich alles von der sprichwörtlichen Waldautobahn bis zum Trail. Ein paar Passagen sind etwas eintönig, aber zwischendurch gibt es auch immer wieder recht schöne Abschnitte. Wer die Strecke mit Hund läuft sollte genug Wasser für seinen Vierbeiner dabei haben. Saubere Bäche sind Mangelware.

Wenn man von Neuhof aus im Uhrzeigersinn startet, geht es erst einmal in Richtung Wiesbaden und hinauf auf die Platte, wo man sich bei der Gelegenheit gleich das Jagdschloss anschauen kann. Teilnehmer des Neroberglaufes kennen es schon, kommen den Berg aber immer von der anderen Seite hinauf.

 

 

Der nächste Anstieg kommt nur wenige Kilometer weiter. Es geht hinauf auf die "Eiserne Hand", vor langer langer Zeit eine bei Lokführern gefürchtete Steigung. Die Bahnstrecke wurde vor Jahren aufgegeben. Zufälligerweise treffen wir ein Mitglied eines Vereins aus Wiesbaden, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Strecke zu restaurieren und mit historischen Zügen wieder zu befahren. Der gleichnamige Bahnhof beherbergt inzwischen das bekannte XXXXL-Lokal "Waldgeist". Das Essen scheint gut zu sein, der Laden ist ziemlich gut besucht.

Der nächste Anstieg lohnt sich. Es wird endlich trailig und vom Hähnchesfelsen aus hat man eine tolle Aussicht auf Taunusstein. Das entschädigt für die zum Teil eher langweiligen Passagen über planierte Waldwege auf dem ersten Abschnitt. Ich gebe ja zu, daß ich von den Premiumwanderwegen im Westerwald etwas verwöhnt bin. Die Wiesbadener mögen mir verzeihen.

Es geht vorbei an Watzhahn, Orlen und Niederlibbach. Kurz vor Neuhof zweifeln Jörg und ich sowohl an der Beschilderung als auch am GPX-Track. Der Waldmeister hat hier wohl seinen witzigen Tag gehabt. Es geht nämlich ein ganzes Stück über einen Weg, der nur mit viel Pahntasie als solcher zu erkennen ist. "Trail" trifft es auch schon nicht mehr. An Laufen ist nicht zu denken, der Untergrund ist tükisch, teilweise versperren umgefallene Bäume den Weg. Das Ende dieser Passage ist lustigerweise mit einer rot-weißen Absperrung versehen, die aber von unten nicht zu sehen war. Eine Umleitung war auch nicht ausgeschildert. Das nachfolgende Bild wird diesem Teil der Strecke nicht gerecht. Hier sieht es harmlos aus aber es war wirklich abenteuerlich. In die andere Richtung hätte ich leider Gegenlicht gehabt.

 

Jörg hat über diesen Lauf übrigens ein Video gedreht, daß er demnächst auf seinem Youtubekanal zur Verfügung stellen wird. Dann kann ich endlich mal ausprobieren, wie man ein Video auf dieser Seite einbindet.

Nach 5:15 waren wir im Ziel, inklusive einer längeren Brotzeit irgendwo hinter Seitzenhahn. Für 820 positive Höhenmeter (laut komoot.de) gar nicht so schlecht.

Fazit: Nicht ganz so toll wie die "Wäller Touren" aber für einen schönen superlangen Trainingslauf nicht schlecht. Die westliche Hälfte der Runde ist insgesamt schöner. Bei Regenwetter wird es an einigen Stellen richtig unschön. Da hätte man noch vor einer Woche bis zur Oberkante der Schuhe im Matsch gestanden.

 


Aartal total

Einmal im Jahr wird das Aartal von Taunusstein bis nach Diez zur autofreien Zone erklärt und ist einen Tag lang in der Hand von Radfahrern, Joggern, Wanderern und Inlineskatern. Die Ortsvereine beteiligen sich mit Verpflegungsständen und Kinderbelustigung und die Gaststätten an der Strecke feiern vermutlich den umsatzstärksten Tag des Jahres. Bei einer ähnlichen Veranstaltung bin ich schon durchs Gelbachtal gelaufen aber das Aartal hat sich bisher immer mit anderen Veranstaltungen überschnitten oder ist mit meiner Urlaubsplanung kollidiert. Zum Glück gibt es den perfekt augeschilderten Fernwanderweg R36, auf dem man das ganze Jahr über durchs Aartal laufen kann, sowie den Aar-Höhenweg, der sich teilweise die Strecke mit dem R36 teilt und ansonsten parallel dazu verläuft.

Im Diezer Grafenschloß ist seit einigen Jahren die Jugendherberge untergebracht. Außerdem gibt es ein frei zugängliches Bistro für den kleinen Hunger nach dem Lauf. In Diez kann man übrigens auch in beide Richtungen verschiedenen Wanderwegen an der Lahn entlang folgen, von denen ein paar Abschnitte sogar zum Netz der Jakobswege gehören.

Die Burgruine Aardeck oberhalb von Holzheim. Leider in katastrophalem Zustand, aber der Blick über das Aartal bis nach Hahnstätten lohnt den kleinen Umweg. Der Turm ist aus Sicherheitsgründen gesperrt und der Zugang vergittert, aber der Burghof ist frei zugänglich. Ein schmaler Trampelpfad führt um die Burg herum - falls er nicht wieder einmal völlig überwuchert ist. Die Burg wurde übrigens nicht - wie oft zu hören - von den Limburgern zerstört - sondern irgendwann einfach aufgegeben. Am besten erreicht man die Burg über das Neubaugebiet von Holzheim. Der Weg ist ausgeschildert. Wer es etwas abenteuerlicher mag, kann auch den Steilhang hinauf klettern - allerdings auf eigene Gefahr.

Alpakas auf einer Weide gegenüber von Holzheim. Ich finde die Viecher einfach nur knuffelig.


Der schön restaurierte Bahnhof von Flacht. Die Bahnstrecke durchs Aartal wurde schon vor vielen Jahren stillgelegt. Es gibt zwar immer wieder Überlegungen, sie wenigstens für den Ausflugsverkehr wieder zu nutzen, aber momentan tut sich da nichts.

Die Rundkirche von Oberneisen. Bin zwar kein Fachmann, aber ich kenne sonst keine Kirche hier in der Gegend mit diesem Baustil.

Blick Richtung Flacht. Wer im Aartal auf Höhenmeter kommen will, muß schon in die angrenzenden Hügel ausweichen, aber die Wege sind dort nur spärlich beschildert. In Oberneisen gibt es die Möglichkeit, die Tour zu einem anspruchvolleren Rundkurs auszubauen. Vor hier geht es nämlich Richtung Mensfelden. Von dort über den Mensfeldener Kopf nach Linter, über den Radweg nach Limburg und zurück nach Holzheim ins Aartal.

Von Hahnstätten aus gibt es dagegen zwei gute Möglichkeiten, die nähere Umgebung auf zwei permanenten IVV-Wanderwegen kenn zu lernen. Der Hohlenfelsbachweg führt - wie der Name schon sagt - an der Nurg Hohlenfels vornei und bringt es auf 12 Kilometer, wobei man aber kurz vor hanstätten auch auf 10K abkürzen kann. Größtenteils Forstwege, ein schöner Trailabschnitt über den Waldlehrpfad mit seinen verschiedenen Infostationen (besonders für Kinder interessant).

Der meiner Meinung nach reizvollere Weg ist die Märchenwaldrunde die am Dorfgemeinschaftshaus startet und über 9 K an Zollhaus vorbei bis zur Burg Schwalbach führt. Die Strecke ist relativ anspruchsvoll, bietet viele schöne Trails und hat allein vom tiefsten zum höchsten Punkt 160 HM.

Oberhalb der Burg führt der Weg zum sogenannten Märchenwald, einem Abenteuerspielplatz bevor es in einem großen Bogen wieder zurück nach Hahnstätten geht.


Rund um den Rursee …

… geht es immer Anfang November beim gleichnamigen Landschaftsmarathon und im Rahmen eines kleinen Erholungsurlaubes mußte ich natürlich einen Teil der Strecke erkunden, auch wenn es nicht für eine ganze Runde gereicht hat.

Der Rursee ist der zweitgrößte Stausee Deutschlands und liegt bekanntermaßen in der schönen Eifel. Die Umgebung des Sees ist von einem ganzen Netz von bestens augeschilderten Rad- und Wanderwegen durchzogen. Auf den welligen Wegen, die direkt um den See herum führen muß man immer wieder mit Mountainbikern rechnen aber wo es etwas steiler in die umliegenden Hügel geht, habe ich komischerweise keine getroffen. Für einen Kurzurlaub bieten sich zum einen eine ganze Reihe privat vermieteter Ferienwohnungen an und zum anderen das Landal Resort Eifeler Tor (außerhalb der Ferien unbedingt auf Last-Minute-Angebote achten) das praktisch nur einen Steinwurf vom See entfernt direkt an der Staumauer und mit Blick ins Rurtal liegt. Von letzterem aus kann man zum Beispiel einen lockeren Lauf in das malerische Örtchen Heimbach machen.

Ein anderes lohnendes Ziel für einen kleinen Berglauf ist die 6 Km entfernte Abtei Mariawald. Vom Landal Resort aus führt ein Wanderweg direkt zur Abtei. Auf dem Hinweg sind ein paar schöne Höhenmeter zu laufen, aber dafür geht es auf dem Rückweg größtenteils bergab. Im Hintergrund ist gerade noch der Rursee zu erkennen. Das kleine Örtchen ist Hasenfeld - ein Vorort von Heimbach.

 

Da der Rursee ziemlich verwinkelt ist, gibt es überall Landzungen und Halbinseln auf denen man über kurze Trails den einen oder anderen schönen Aussichtspunkt erreicht. Die ganze Gegend ist übrigens Naturschutzgebiet. Trails sollte man also nur dort laufen, wo diese eindeutig gekennzeichnet oder klar erkennbar sind. Einfach querfeldein ist wenig empfehlenswert.