Die berüchtigen 42,195 Km, die längste olympische Laufdisziplin (ich weiß, es gibt auch noch das 50-Kilometer-Gehen und die Geher gehen schneller als ich laufen kann, aber da ich nur dann gehe, wenn es nicht mehr anders geht, geht es hier eben nur ums Laufen wink ), die ultimative Herausforderung für Hobbyathleten (wenn es da nicht auch noch die Ultras und den Ironman gäbe).

Kurz und gut : ich bin erst durch den Marathon dazu gekommen, systematisch und mit einem Ziel zu laufen. Ich liebe den Marathon einfach und hoffe, daß ich in den nächsten Jahrzehnten noch ein paar sammeln kann.

Und wie kommt man dann zum Ultra-Marathon? Aus Versehen. Ist wirklich so.

Ich wollte 2014 gleich im Januar meinen ersten Marathon laufen, erinnerte mich dunkel daran, daß ein Bekannter mal Rodgau gelobt hatte und merkte mir den Termin fest vor um dann ein paar Wochen später festzustellen, daß dort die klassische Distanz gar nicht angeboten wird sondern nur die 50K. Da ich keine Lust auf einen Rückzieher hatte, bin ich also einfach mal mitgelaufen. So kanns gehen.

Kommen wir zu ein paar zufällig ausgewählten Berichten. Die aktuelleren kommen immer zuerst.


Der 1. Trail am Grauen Kopf - 67K, 1.800 HM und paar unwesentliche Schikanen (21.07.2018)

Auf den 1. Trail am Grauen Kopf im schönen Nassauer Land bin ich nur durch einen Zufall gestoßen. Bei einem Trainingslauf mit Jörg auf der Vier-Täler-Tour rund um Nassau und Obernhof stolperten wir irgendwann im späten Frühjahr auf die ersten Streckenmarkierungen. Und irgendwann steht man dann zusammen mit rund 80 anderen Laufverrückten bei strömendem Regen vor dem Vereinsheim in Holzhausen. Nach der wochenlangen Dürre hat sich Petrus einen kleinen Spaß erlaubt, aber fast pünktlich zum Rennstart hört der Regen auf. Das macht die Temperaturen recht angenehm, aber die hohe Luftfeuchtigkeit wird mir im Laufe des Nachmittags noch zu schaffen machen. Beim Streckenbriefing gibt sich Cheforganisator Alexander Holl größte Mühe, die Läufer auf ein Event der besonderen Art einzustimmen und erklärt noch einmal im Detail die Strecke und deren Schikanen (dazu gleich mehr) bevor es dann pünktlich um 8:00 losgeht. Während die ambitionierten Läufer fast im Marathontempo angehen, halte ich lieber ein Schwätzchen mit alten Bekannten aus der Umgebung. Ist doch immer wieder schön zu sehen, wie klein die Welt der Ultraläufer ist und wie viele Gesichter man dieses Jahr schon bei anderen Veranstaltungen gesehen hat. Lauftreff Hadamer, SC Oberlahn, die Sportsfreunde aus Eisenbach und Lindenholzhausen … alle da.

Praktischerweise ist das Streckenprofil kopfüber auf der Startnummer aufgedruckt sodaß man immer wieder mal einen Blick riskieren kann um im ersten Downhill nicht übermütig zu werden. Immerhin geht es kurz danach schon hinauf zum Grauen Kopf, der die ersten 250 Höhenmeter bringt (am Ende des Tages habe ich 1800 davon in den Beinen - rauf und wieder runter, wobei das "runter" mehr zu dem Muskelkater am nächsten Tag beiträgt). Nebenbei ist das der höchste Punkt der Strecke. Anschließend geht es auf einer Länge von rund 20 Kilometern stetig bergab Richtung Lahn. Mit einem Schnitt von 9 km/h bin ich für einen Ultra recht flott unterwegs, aber das soll sich noch ändern. Die erste zeitfressende Schikane ist das Hasenbachtal. Wer hier keinen Weg sieht ist genau richtig und wer Alexanders Warnung vor Disteln in einer seiner Infomails gelesen hat, ist mit knielangen Strümpfen unterwegs. Bei besonders angrifflustigen Exemplaren dieser Gattung erweisen sich meine Trekkingstöcke als hilfreich. Eine Machete wäre stellenweise auch nicht schlecht. Den Trampelpad auf dem linken Bild haben die schnelleren Läufer gespurt.

 

Die Holzbrücken im Mühlbachtal sind durch den Regen glatt wie Schmierseife und bei der zweiten mache ich fast einen Abgang. Die folgenden werden mit erhöhter Vorsicht überquert. Nachdem der Graue Kopf noch recht locker genommen wurde, wird es jetzt bitter. Gerüchteweise ist Gary Cantrell – der Erfinder des berüchtigten Barkley-Ultras – eines von Alexanders Vorbildern, aber wer solche Dinger wie der Alex läuft, darf sich als Veranstalter auch mal einen Späß mit den Teilnehmern gönnen.

Mit 20% Steigung des Berg rauf, auf der anderen Seite wieder runter, die Oberschenkel jubeln, hoch zum Kloster Arnstein zum VP1, Extrarunde den Berg hoch, wieder den Berg runter gekraxelt, zwei mal fast auf die Nase gelegt, noch mal am VP1 vorbei – an Laufen ist erst einmal nicht mehr zu denken, die Trekkingstöcke sind Gold wert. Dafür entschädigt der VP mit einem Buffet das sich sehen lassen kann. Fünf von fünf möglichen Sternen!

 

Danach ist zur Abwechslung mal Asphalt auf dem Radweg Richtung Nassau angesagt. Der Erholungswert hält sich in Grenzen. Burg Nassau liegt – wie könnte es anders sein – auf einem Berg und den nehmen wir natürlich mit bevor es noch einmal hinunter an die Lahn geht. Nassau wird bei Kilometer 45 nur kurz gestreift und ab hier geht es eigentlich nur noch bergauf zurück nach Holzhausen. Beim Blick auf das Streckenprofil graut es mir so langsam. Ich komme immer wieder mal mit anderen Läufern ins Gespräch und so hangelt man sich Kilometer für Kilometer, mal wandernd, mal locker trabend zum VP2 wo ein weiteres Highlight wartet. Nämlich eine Flasche alkoholfreies Weizen der Spezialmarke „Runners high“ aus der Kühlbox mit freundlichen Grüßen einer örtlichen Brauerei.

Die letzten 9 Kilometer, noch ein letzter lästiger Anstieg durch den Wald bevor in einem Kilometer Entfernung das Vereinsheim zu sehen ist. Ich trabe noch einmal an und werde prompt von Tobias überrannt, der hier seinen ersten Ultra finished. Respekt. Keine Chance an ihm dran zu bleiben. Ich hätte mich damals nicht getraut mit so einem Rennen in die Ultras einzusteigen. Ich werfe einen kurzen Blick zurück und sehe ein Grüppchen von drei weiteren Läufern aus dem Wald kommen. Der innere Urmensch stößt seinen Kriegsschrei aus und ich mache einen auf Gandalf („Du kommst hier nicht vorbei!“). Die Platzierung sollte mir egal sein, aber irgendwoher muß man den letzten Motivationsschub einfach nehmen (nächstes Jahr habe ich wieder meinen MP3-Player mit der Heavy-Metal-Playlist dabei). Mit Stockeinsatz stolpere ich über die Grasnarbe und auf den Sportplatz. Applaus, die Glocke betätigt und von Alexander die Finishermedaille in Empfang genommen. Das Teil aus Vollmetal beansprucht noch einmal die Nackenmuskulatur.

Fazit: eine rundum gelungene Premiere, noch einmal ein ganz großes Lob für das Orgateam. Werde noch ein paar Tage bei jeder Treppenstufe an den Grauen Kopf denken. Den für Januar geplanten Lauf habe ich mir schon vorgemerkt!

Wer in der Gegend mal laufen will wird übrigens auch auf der Seite "Free solo" fündig. Da findet man die Berichte von der Vier-Täler-Tour und vom Dörsbach-Mühlenweg.


37. Vulkanlauf in Mendig (Eifel) - Marathon (01.05.2018)

Der Vulkanlauf ist meiner Meinung nach noch ein echter Geheimtip unter den Landschaftsläufen (in diesem Jahr 94 Starter beim Marathon, insgesamt über alle Distanzen inklusive Kinder- und Jugendläufe sowie Walker waren es im Vorjahr über 1400). Mir fällt einfach nichts ein, was man dort noch ernsthaft verbessern könnte. Das fängt bei den Parkplätzen direkt am Sportgelände an, geht über die netten Helferinnen und Helfer an den Verpflegungsstellen und endet bei der super Organisation nach dem Lauf mit Tombola und Urkundendruck. Bei einem Startgeld von 20-25 € (je nachdem wann man sich anmeldet) kann man wirklich nicht meckern und bei Voranmeldung ist die Startnummer auch noch mit dem Namen versehen. Außerdem ist Mayen über die A61 problemlos erreichbar und gleich hinter der Autobahnabfahrt sieht man schon die ersten Hinweisschilder. Die Startertüte (den Kalauer mit dem Zeug, das manche früher geraucht haben bringe ich jetzt nicht noch mal) schlägt auch viele Veranstaltungen ähnlichen Kalibers. Schon praktisch, wenn man eine Bäckerei als Hauptsponsor hat.

Nach dem üblichen Schwätzchen mit alten Bekannten (die meisten Starter kommen aus dem näheren Umkreis - außer die Frankfurter - da kennt man doch einige Gesichter) geht es schon um 8:00 auf die Strecke, was ganz praktisch ist, weil man so rechtzeitig wieder zu Hause ist um ohne Hemmungen das Kuchen- und Grillbuffet zu plündern. Das Wetter spielt auch mit und kurz nach dem Start kommt endgültig die Sonne heraus. Ich bin trotzdem froh, daß ich für die ersten Kilometer die Handschuhe eingesteckt habe.

Gelaufen wird eine 21K-Doppelrunde, was aber nicht weiter tragisch ist, weil die Strecke wirklich sehr abwechslungsreich ist. Die Hälfte Asphalt, der Rest mehr oder weniger befestigte Waldwege und sehr viel Landschaft bis auf ein kurzes Stück auf der Pendelstrecke in Mendig. Da die Strecke staubtrocken ist hatte ich mich für die leichten Rennschlappen entschieden und komme damit auch im Wald bestens zurecht. Bei Regenwetter wäre ein Treter mit etwas mehr Grip zu empfehlen aber die Allrounder hätten auch in dem Fall gereicht. Über die Höhenmeter habe ich unterschiedliche Angaben gefunden. Leider bin ich ohne GPS gelaufen, aber ich halte - auch aufgrund meiner Zeit und im Vergleich mit anderen Strecken - 450 positive HM für realistisch. Die Anstiege verteilen sich ganz gut und wenn man nicht überzieht und sich dann bergab etwas erholt, kann man fast die ganze Strecke ohne Gehpausen bewältigen. Wenn am Ende auf dem letzten Kilometer nicht die "Mauer von Mendig" im Weg wäre, die aber zum Glück nur einmal gelaufen werden muß. Hier geht es mit glatten 10% zum Sportplatz hoch und man fragt sich, ob der Streckenverantwortliche nicht eine kleine sadistische Ader gehabt hat. Das ist definitiv der härteste letzte Kilometer, den ich bisher bei einem Marathon oder Ultra gelaufen bin.

Ausblick über die Eifel nach dem ersten Anstieg.

Bei dem Streckenprofil zieht sich das Feld ziemlich schnell auseinander, aber bei Kilometer 8 komme ich mit Alexander aus Kölle (natürlich steigt ihr nächstes Jahr wieder auf) ins Gespräch. Über das übliche "wo bist du schon gelaufen" und ein paar Anekdoten aus dem lustigen Läuferleben vergehen die nächsten Kilometer angenehm schnell. Etwas später schließt sich noch Thomas von der Hardtseemafia (steht tatsächlich so auf seinem Shirt) an. Zu Beginn der zweiten Runde wird es dann etwas voller auf der Strecke. Die ersten Halbmarathonis brettern an uns vorbei, vorübergehend sind auch noch die "Zehner" unterwegs, aber die biegen schnell wieder ab. Bei Kilometer 33 muß Alexander leider abreissen lassen. Für eine Gehpause ist es mir noch zu flach und ich bin gerade an dem Punkt an dem ich irgendwie meinen Rhythmus halten muß. Dafür holt er sich nachher den Altersklassensieg. Glückwunsch!

Fast geschafft. Die "Mauer von Mendig" muß man sich leider denken. Da wollte ich nicht noch einmal das Handy auspacken sondern nur noch ins Ziel kommen. Außerdem hatten Thomas und ich abgemacht, daß wir zusammen über die Ziellinie gehen.

Als letztes Goodie gibt es übrigens auch noch eine Finishermedaille.

Und sonst?

Stimmung und Sambagruppen darf man mitten in der Eifel natürlich nicht erwarten. An einer Verpflegungsstelle im Wald wurde Helene Fischer gespielt, was für mich aber kein Grund wäre, Mendig ab sofort zu meiden. Die Verpflegungsstellen sind strategisch so geschickt verteilt, daß man insgesamt 11 davon (manche natürlich mehrfach) zur Verfügung hat. Mit Iso, Wasser, Cola, Obst, Schokolade und Salzstangen gibt es alles, was einen so über die Runden bringt. Jeder Kilometer ist beschildert, an den kritischen Punkten stehen Streckenposten, Verlaufen ist also nicht möglich. In der Sporthalle gab es außerdem noch zwei Verkaufsstände mit Laufausrüstung. Da mein Schrank sowieso zu voll ist, habe ich lieber einen großen Bogen gemacht, aber die Preise schienen auf ein paar schöne Schnäppchen hinzudeuten. Die Ergebnislisten sind auch schon taggleich online.

Fazit: da es am 01.Mai mehrere interessante Laufveranstaltungen gibt, bin ich in Mendig zwar nicht jedes Jahr am Start, aber 2018 war bestimmt nicht mein letzter Vulkanmarathon.

Weitere Infos gibt es hier: http://www.vulkan-halbmarathon.de/


41. Monschau Marathon - 6. Monschau-Ultra (13.08.2017)

Kilometer 0: Der Start beim Ultra anstelle des Marathons hat immerhin den großen Vorteil, daß man einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe von Start und Ziel bekommt und auf der Autobahn tote Hose ist. Dafür hat um 2:30 der Wecker geklingelt. Pünktlich um 6:05 (die Marathon-Walker sind um 6:00 losgeschickt worden), erfolgt der Start. Nicht zuletzt da der Ultra diesmal zum Europacup zählt ist das Starterfeld international. Unter anderem sind Teilnehmer aus Großbritannien, der Schweiz, Belgien, Kroatien und den Niederlanden dabei. Die letzten Walker (erkennbar an dem Schild „WALKER“ auf der Rückseite), die jetzt noch etwas verwirrt im Feld der Ultras (erkennbar am Schild „ULTRA“ auf der Rückseite) herum stehen, machen sich dann doch lieber in die andere Richtung auf den Weg.

Kilometer 1: Unter viel Applaus geht es zum Warmwerden erst einmal durch Konzen (das ist der Ortsteil von Monschau in dem Start und Ziel liegen) bevor die erste kleine Schikane auf dem Programm steht. Es geht hinauf zum Hochmoor Hohes Venn und dem Steling – mit 658 Metern der höchste Berg der Nordeifel. Der Anstieg hat nur 1-2% und würde sich gut laufen lassen, wenn der Regen der letzten Tage die unbefestigten Waldwege nicht in Schlammpisten verwandelt hätte. Mit Trailschuhen wäre ich jetzt besser bedient, aber da die Marathonstrecke einen recht hohen Anteil an Asphalt hat, bin ich mit den Alroundern unterwegs. Da ich keine Lust habe, den Rest des Rennens mit nassen Füßen zu Laufen, ist Slalom angesagt. Etwas anstrengend aber besser als sich nachher mit nassen Socken eine Blase zu laufen.

Kilometer 7: Das Hochmoor wäre eigentlich ein Foto wert, aber Nebel und leichter Nieselregen - der zum Glück schnell wieder aufhört - überfordern mein Handy. Dafür geht es locker wieder zurück nach Monschau.

Kilometer 14: Am Ortsrand gibt es eine weitere kleine Schikane. Es geht quer über eine Kuhweide. Diesmal keine Schlammlöcher, aber dafür Kuhfladen, die man ebenfalls umgehen sollte. Erneut viel Applaus bei Start und Ziel und die ersten Marathonis sind auch schon startbereit. Mit 1:23 liege ich ganz gut im Plan.

Kilometer 18: Es geht durch die historische Altstadt von Monschau über Kopfsteinpflaster und entlang der Rur. Hier dürfte der tiefste Punkt der Strecke liegen, was bedeutet, daß es bald richtig hart wird.

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Kilometer 26: Irgendwo müssen die insgesamt 950 Höhenmeter ja herkommen. Rund 2 Kilometer geht es hier mit 8-9% den Berg hinauf. Am Ende der Steigung kacheln jetzt die schnellsten Marathonis (der Sieger wird am Ende in sagenhaften 2:43 finishen) und die ersten Staffelläufer vorbei.

Kilometer 35: In Sichtweite von Alzen ist der höchste Punkt der Marathonstrecke fällig, die zweite Hälfte des Marathons gilt als erheblich leichter als die erste. „Nur noch ein Halbmarathon“ denke ich mir. Das GPS habe ich erst gar nicht aktiviert. Die Kilometerzeiten schwanken gefühlt irgendwo zwischen 5 und 9 Minuten. Ich orientiere mich lieber an der sehr guten Kilometerbeschilderung und rechne nur noch in Abschnitten zu je 5 Kilometern. Momentan sieht es nach einer 5:50 aus. Unter 6:00 wollte ich auf jeden Fall bleiben ohne mir dabei übermäßg weh zu tun. Bei Ultras geht es für mich sowieso um nichts anderes mehr als das Ankommen. Bei allem, was länger als ein Halbmarathon ist bin ich auch in der Altersklasse normalerweise nicht mehr konkurrenzfähig und bei so einem Starterfeld erst recht nicht. Also lieber mehr Spaß und weniger Schmerzen.

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Kilometer 49: Da war doch noch was. Ach ja, richtig. Vor vier Jahren bin ich hier ja schon einmal den Marathon gelaufen und kann mich an den letzten Mörderanstieg noch gut erinnern. Richtung Weilersboich sind auf einer Länge von 1,5 Kilometern noch einmal rund 130 Höhenmeter fällig. An Laufen ist da schon lange nicht mehr zu denken, im rechten Adduktorenbereich zwickt es krampfverdächtig und bin froh, daß es bei der nächsten Verpflegungstelle Salztabletten gibt und ich schließlich doch noch ohne muskuläre Probleme ins Ziel komme.

Kilometer 52: Die letzte Verpflegungstelle. Es gibt unter anderem als kleine Kuriosität Honig am Stiel. Hätte ich gerne mal probiert, aber wenn ich jetzt stehen bleibe wird das Anlaufen bitter. Lieber locker weiter laufen.

Kilometer 56: Wie immer ein geiles Gefühl das für alles entschädigt. Ein Niederländischer Ultraläufer überspurtet mich noch auf den letzten 50 Metern, aber das ist mir jetzt auch egal. Kein Risiko, kein Tempo mehr, lieber gemütlich ins Ziel traben. Jeder Teilnehmer wird namentlich aufgerufen und bekommt die Finishermedaille. Am Ende bleibt die Uhr bei 5:55 stehen. Paßt doch. 118.Platz insgesamt, 94.Platz bei den Männern, 16.Platz in der Altersklasse. Der Sieger pulverisiert in 3:39 den Streckenrekord.

--- Bild aus Sicherheitsgründen (DSGVO) entfernt ---

Fazit: geniale Veranstaltung, perfekte Organisation. Das Problem mit den Parkplätzen – man parkt ziemlich wild in einem Wohngebiet - ist vermutlich nicht anders lösbar. Stellenweise eine Stimmung wie bei den großen Citymarathons. Zum letzten Mal bin ich in Monschau definitiv noch nicht gelaufen.

 


32. IVV-Europamarathon in Limburg (03.06.2017)

Um es vorweg zu nehmen: Viel abwechslungsreicher kann ein Marathon kaum sein. Lange flache Passagen an der Lahn entlang, schöne Trails zwischen Aumenau und Runkel, das Kerkerbachtal in voller Länge und zum Abschluß noch ein paar Kilometer Sightseeing quer durch die Limburger Innenstadt. Das ganze garniert mit 650 Höhenmetern.

Los ging es an der Markthalle und erst einmal relativ flach (bis auf die kurze Passage hoch zum Lahnhöhenweg) und asphaltiert Richtung Dietkirchen, wo die ausrichtenden Wanderfreunde ihr Domizil haben. Sorry wegen der miesen Bildqualität. Ich habe erst unterwegs gemerkt, daß ich etwas auf der Linse hatte.

--- Bild aus Sicherheitsgründen (DSGVO) entfernt ---

Die Lubentiuskirche im Nebel. Weiter geht es über die Fußgängerbrücke auf die andere Lahnseite und nach Eschhofen.

Die bereits erwähnten Trails. Hier hätte sich sogar Buschläufer Jörg wohl gefühlt. cheeky

Zum Glück waren hier um diese Zeit gerade keine Wanderer unterwegs. Überholen wäre an den meisten Stellen schwierig geworden und ich hätte auch niemanden hetzen wollen. So mußte ich die Gelegenheit einfach nutzen und ein paar Kilometer Gas geben.

 

Nächster Halt Runkel, kennt man ja schon von der IVV-Veranstaltung im Januar und dem lustigen "17+4"-Trainingslauf mit Jörg.

    

Vom Lahnwanderweg hat man einen schönen Blick auf den König-Konrad-Felsen mit dem gleichnamigen Denkmal.

Ab Villmar sind so richtig Höhenmeter fällig, aber die Aussicht entschädigt. Beim Fotografieren komme ich mit einer netten Dame ins Gespräch, die mir erzählt, daß sie gerade für eine 70-Kilometer-Wanderung im Allgäu trainiert. Respekt. Wer immer noch der Meinung ist, daß Wandern kein richtiger Sport ist, soll bei so etwas mal mitmachen.

Nach einer Schleife Richtung Aumenau mit viel Landschaft geht es durchs Kerkerbachtal, zurück nach Runkel und an der Lahn entlang nach Steeden. Hier spielt das Wetter einen kleinen Streich und liefert kostenlose Abkühlung von oben. Gar nicht so schlecht, da die Temperaturen in der Zwischenzeit in den unangenehmen Bereich geklettert waren. Dummerweise ist der Schauer nach wenigen Minuten vorbei, die Sonne kommt wieder heraus und die Luftfeuchtigkeit ähnelt jetzt eher einer finnischen Sauna. Dafür bleibt die Strecke jetzt bis ins Ziel flach. Es geht an Dehrn vorbei zurück nach Dietkirchen. Der Turm ist übrigens das Wahrzeichen von Dehrn und war unter anderem auch der Namensgeber für den Schachclub Dehrn, der allerdings vor ein paar Jahren mangels Masse aufgelöst wurde.

Den Endspurt kann man sich diesmal sparen, da die letzten Kilometer quer durch die Limburger Alt- und Innenstadt führen. Unter anderem geht es vorbei an der Pusteblume an der Stadthalle. Bei dem Wetter steppt hier Samstags der Bär. An Laufen ist bei dem Betrieb nicht zu denken. Erst den letzten Kilometer zurück zur Markthalle trabe ich locker aus.

--- Bild aus Sicherheitsgründen (DSGVO) entfernt ---

Fazit: Eine wirklich gelungene Veranstaltung, besten Dank an das komplette Orgateam von den Wanderfreunden Dietkirchen. Kostenlose Parkplätze gab es in Masse direkt an der Markthalle und außerdem eine perfekte Streckenbeschilderung. Verlaufen geht hier normalerweise nicht. Im Zweifelsfall schaut man sich halt kurz um und notfalls macht man es wie im Western wenn die Indianer auftauchen: Immer den Pfeilen nach.

Beim Zieleinlauf waren es übrigens schon wieder 25 Grad. Das Alkoholfreie hat selten so gut geschmeckt.

 


14. KAPS-Marathon in Solms (20.05.2017)

Die Fakten im Schnelldurchlauf:

Startgeld: 10,- € bei Voranmeldung. Dafür gibt es ein Starter-Funktionsshirt, kostenlose Parkplätze direkt bei Start/Ziel, ausreichend Streckenverpflegung, Zeitmessung mit Chip und eine Online-Urkunde. Außerdem Pokale für die drei schnellsten Frauen und Männer.

Die Strecke: definitiv anspruchsvoll, 520 HM, kaum Asphalt, es geht fast nur durch den Wald. Gleich zu Anfang geht es fast 5 Kilometer leicht bergauf und zwei Kilometer vor Solms kommt noch ein weiterer Anstieg, der es in sich hat. Also nichts für Bestzeiten. Bei Regenwetter kann man über leichte Trailschuhe nachdenken, ansonsten tun es die Strassenschlappen. Mit den superleichten Rennschlappen würde ich hier nicht laufen.

Distanzen: 10K, Halbmarathon, Marathon (die HM-Strecke wird doppelt gelaufen)

Die Organisation: eigentlich perfekt. Nur zwei Kleinigkeiten sollte man anders machen. Zum einen sollte man die Nordic Walker ein paar Minuten nach dem Hauptfeld starten lassen. Die Ansage, daß man sich mit Stöcken doch bitte am Ende des Feldes aufstellen sollte, war für die Meisten zu kompliziert. Irgendwann gibt es da einen unschönen Zwischenfall wenn jemand über ein paar Stöcke stolpert. Zum zweiten wären unterschiedliche Farben bei den Startnummern für die Marathonis und die Halbmarathonis ganz praktisch. Am Ende der ersten Runde dachten zwei "Halbe", sie müßten gegen mich um die Plazierung sprinten bis sie gemerkt haben, daß ich noch eine Runde vor mir habe.

Stimmung: nur beim Start und beim Zieleinlauf. Ansonsten kann man die Ruhe im Wald geniessen. Vor allem auf der zweiten Runde. Ab Kilometer 25 war ich mutterseelenallein unterwegs. Sehenswürdigkeiten gibt es auch keine, die Bilder sprechen für sich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

25 Finisher beim Marathon sind leider nicht allzu viel. Über die 10K gab es 114 Finisher, beim HM immerhin 103.


10. Stadtwerkelauf rund um den Seilersee in Iserlohn (29.-30.04.17)

Der Stadtwerkelauf  ist ein 24-Stunden-Spendenlauf auf einem rund 1,8 Kilometer langen Rundkurs. Starten kann man in den Kategorien "6-Stunden", "12-Stunden", "24-Stunden", Walker, Staffel und Free-Runner (also ohne offizielle Ergebnisliste).

Das Startgeld richtet sich nach der Kategorie - Frühanmelder bekommen es günstiger - und liegt zwischen 20,- € und 65,- €. Dafür gibt es Vollverpflegung, eine perfekte Organisation, kostenlose Parkplätze in Steinwurfweite und eine personalisierte Startnummer. Das Teilnehmer-Shirt kostet 15,- € extra, macht aber was her und ist von sehr guter Qualität. Außerdem ist es ja für einen guten Zweck. In diesem Jahr wurde für die Kinderdörfer in Tibet gelaufen.

Die Strecke selbst ist teilweise asphaltiert, an zwei Stellen geht es über befestigte Wege, einmal über eine Holzbrücke und einmal auf der Tartanbahn durchs Stadion, wo sich ein Teil der Camper niedergelassen hat. Jede Runde hat 22 HM, wobei ein kurzer Abstieg 100 Meter vor Start/Ziel nach 70 gelaufenen Kilometern am meisten weh tut. Inklusive der Veranstaltung für Kinder und Jugendliche waren 2016 rund 700 Teilnehmer dabei, viel weniger werden es diesmal bestimmt auch nicht gewesen sein, wenn man von der Belegung des Zeltlagers ausgeht. Die meisten scheinen so etwas regelmäßig zu machen.

--- Bild aus Sicherheitsgründen (DSGVO) entfernt -----

Ein Sonderlob gibt es für das gesamte Orgateam von der Startnummerausgabe bis zur Verpflegungsstelle. Netter und professioneller habe ich es bisher noch nicht erlebt. yes yesyes

Bei Nacht wird die Passage am Seeufer übrigens farbig beleuchtet. Sieht wirklich toll aus, leider ist das entsprechende Foto nichts geworden. Der Lauf ist außerdem ziemlich international. 10 Nationen waren in diesem Jahr vertreten und die Finisher-Shirts, denen man auf jeder Runde begegnet erzählen interessante Geschichten. Die üblichen Verdächtigen (LG Mauerlauf Berlin, Club 100 MC, Meldeläufer, Rodgau, die Marburger Ultras) dürfen natürlich nicht fehlen.

Fazit: wirklich eine tolle Veranstaltung. Wer mal so etwas mal ausprobieren möchte und einfach völlig risikolos testen will, wie weit er wirklich gehen kann, dem ist Iserlohn nur zu empfehlen. Ich persönlich würde wieder als Free-Runner an den Stat gehen. Man ist nicht an die Wettkampfregularien gebunden, kann jederzeit die Strecke verlassen und mal kurz zum Auto gehen und auch mit Kopfhörer laufen.

Eine andere Idee, die mich mal reizen würde wäre ein Staffelstart (Jöööööörg !!). Man kann übrigens die Staffel beliebig zusammen stellen. Von der Firmen- bis zur Familienstaffel war alles vertreten.


19. Aartal-Marathon in Hahnstätten

Und wieder ein IVV-Marathon. Für alle, die es nicht kennen: Hahnstätten liegt im schönen Aartal (siehe auch meinen Bericht über den Aartal-Wanderweg in der "Free solo"-Rubrik) und nur 20 Autominuten von Limburg entfernt. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen, auch wenn der Termin nur eine Woche nach Grolsheim lag. Außerdem dachte ich, daß die Strecke eher flach werden und weitgehend dem Aartal folgen würde - wenn das Ganze schon so heißt.

Pustekuchen. Gleich vom Start weg ging es erst einmal hoch zur Burg Hohlenfels zur ersten Kontrollstation.

Und wo ein Anstieg ist, lauern meistens noch ein paar andere.

Laut GPS kommen insgesamt rund 630 Höhenmeter im Anstieg zusammen. Nach ein paar Kilometern auf gut ausgebauten Waldwegen ist Richtung Katzenelnbogen und hinunter bis Rettert eine ziemlich lange Kante auf asphaltierten Feldwegen fällig, aber dafür hat der Rückweg ein paar richtig schöne Trailpassagen zu bieten. Zum Glück ist es diesmal trocken.

Blick auf Katzenelnbogen, wo sich die 20-Kilometer-Schleife und die 42-Kilometerschleife trennen.

Kurz hinter Katzenelnbogen findet man übrigens eine interessante Infotafel, die an den Ort Niederfischbach erinnert. Dieser verschwand im Jahre 1853 von der Landkarte, als die Einwohner des Ortes fast geschlossen nach Amerika auswanderten. Heute existieren nur noch die Ortschaften Mittel- und Oberfischbach.

Rund um Hahnstätten gibt es übrigens eine ganze Reihe von gut beschilderten permanenten Wanderwegen. Wer nicht gleich die 10 Km einfache Strecke bis Katzenelnbogen laufen will, kann sich auch auf die Wege durchs Hohlenfelsbachtal (6K und 12K) oder die beiden Märchenwaldwege Richtung Burgschwalbach (7K und 11K) beschränken. Außerdem gibt es noch den - auch für Kinder interessanten - Walderlebnispfad (immer dem lustigen Uhu folgen) der an verschiedenen Stationen den Lebensraum Wald vorstellt.

Eine nette Begegnung hatte ich übrigens im letzten Anstieg auf dem Rückweg nach Hahnstätten. Ich schließe zu einem älteren Herrn auf (ich schätze mal Anfang 70), der mit seinen Trekkingstöcken ein ordentliches Tempo vorlegt. Wir kommen kurz ins Gespräch und ich erfahre, daß er im vergangenen Jahr 40 (!!) Marathons gewandert ist, unter anderem in Belgien und den Niederlanden. Respekt ! Wenn ich mal davon ausgehe, daß er um 7:00 am Start war und seine Zielzeit kalkuliere, dann ist er den Marathon in 7 Stunden gewandert. Und das bei dem Streckenprofil.


Der Tough-Matsch-Cross-Orientierungs-Marathon von Grolsheim

Eigentlich der 63. Rheinhessenmarathon des IVV, aber diesmal die Hardcore-Variante. Bei mäßigem Dauerregen ging es auf die Strecke und erst einmal 6 Kilometer zum Warmwerden über Asphalt. Ein Teil der Strecke gehört übrigens zum Netz der Jakobswege sodaß es unterwegs zienlich viele Kirchen und Klöster zu sehen gibt.

Bei 8 Grad und böigem Wind nehme ich mir vor, so lange wie möglich in Bewegung zu bleiben – egal was das Streckenprofil zu bieten hat. Bis zur ersten Kontrollstelle klappt das auch ganz gut, aber dann wird es abenteuerlich. Die Strecke wird wellig und führt kilometerlang über unbefestigte Feldwege, die sich in Matschpisten verwandelt haben. Zwischendurch habe ich das Gefühl, daß mir an jedem Schuh ein Pfund Dreck klebt. Da Dreck auf Dreck alles andere als Grip ergibt bin ich mehr mit den Tücken der Strecke als mit der Orientierung beschäftigt. Hinzu kommt noch, daß es auf freiem Feld keine Möglichkeit gab, die bekannten leuchtend roten IVV-Klebebänder anzubringen, die ein Verlaufen normalerweise unmöglich machen. Irgendjemand kam daher auf die Idee, Pfeile auf den Matsch zu sprühen oder mit Sand auszulegen. Bei trockenem Wetter oder einigermaßen festem Untergrund funktioniert das noch, aber nicht wenn ein Traktor die Markierung unterpflügt. Prompt drehe ich zusammen mit einigen Wanderern eine Ehrenrunde durch Appenheim, was am nächsten Kontrollpunkt zu den ersten Beschwerden führt. Die Organisation verspricht aber sofort jemanden loszuschicken und die Markierungen auszubessern.

Endlich wird die Strecke besser, es geht ein Stück durch den Wald, der Regen hört nach zwei Stunden endlich auf und man kann endlich vernünftig laufen und Kilometer machen. Dafür wird es stürmisch, was in den Höhenlagen der Weinberge auch nicht lustig ist.

Das schönste Stück der Strecke kommt in der Nähe von Ingelheim, vorbei am Bismarckturm mit Aussichten aufs Rheintal.

Dahinter wird es anspruchsvoll, es geht permanent hoch oder runter, teilweise über rutschige Trailpassagen bis die Strecke erneut durch Weinberge führt.

In der Nähe von Ockenheim. Das erinnert fast schon an die Via Appia, aber die ist wenigstens flach. Hier geht es am Ende mit 15% die letzte Steigung hinauf, bevor es auf das letzte Stück zurück Richtung Grolsheim geht.

Fazit: Bei schönem Wetter sicher eine gute Gelegenheit für einen anspruchsvollen Lauf, ein paar schöne Abschnitte, aber vor allem auf der ersten Hälfte landschaftlich doch etwas eintönig. Bei Regen eine Katastrophe. Der IVV-Aufnäher mit dem Motiv des Bismarckturms ist diesmal hart erarbeitet.

 


Hürth Allaaf – der 21. Rheinland-Marathon (IVV)

Bei einer Faschingsveranstaltung bin ich in etwa so fehl am Platz wie ein Kenianer auf einer Skisprungschanze, aber wenn man locker aus dem Wintertraining heraus Ende Januar einen gepflegten Marathon auf einer unbekannten Strecke laufen kann ist das natürlich etwas anderes.

Der Hinweis „mit karnevalistischen Einlagen in der Halle“ auf der Ausschreibung kann nicht schrecken, auch wenn bei der Abholung der Startkarte statt Rocky-Soundtrack oder „Rock you like a hurricane“ der erste Faschingsschlager aus den Boxen dröhnt. Vom Text verstehe ich genauso viel wie wenn Runrig auf gälisch singt – kölsche Dialekt eben wink.

Also schnell ab auf die Strecke und die Asphaltpassage bis Brühl hinter mich gebracht bevor es dann rund um ein paar zugefrorene Seen ins Gelände geht. Hier ist vorsicht angesagt, einige Abschnitte sind tückisch vereist, es liegt fast überall noch Schnee und ich bin dann doch froh, die Schlappen mit dem guten Profil gewählt zu haben. Die Strecke ist wie bei allen IVV-Veranstaltungen vorbildlich ausgeschildert und es sind 6 verschiedene Distanzen im Angebot. Ich dachte eigentlich, daß ich auf der Marathonschleife weitgehend allein unterwegs sein würde, aber stattdessen sind schon in aller Frühe ganze Horden von Marathon-Wanderern auf die Stecke gegangen, die ich jetzt nach und nach überhole. Ein paar vereinzelte Läufer sind auch dabei. Mit einigen komme ich an den Verpflegungstellen ins Gespräch, die Wanderfreunde aus Dietkirchen sind auch dabei, mit einer netten Dame wandere ich einen Kilometer und sie erzählt mir von ihrem Plan einer Überquerung der Alpen. Im Gegenzug erzähle ich ihr vom Transalpin Run. Wanderer und Ultraläufer verbindet eben mehr als man denkt. Es gibt übrigens auch auch offizielle Wanderveranstaltungen mit Ultradistanzen.

 

 

Der Rückweg zieht sich ein wenig und ich merke, daß ich in den letzten Wochen zwar genug Kilometer gelaufen bin, aber eigentlich zu wenig lange Läufe gemacht habe. Macht aber nichts, ist ja schließlich kein Rennen, bis zum ersten echten Saisonhöhepunkt ist es noch eine Weile hin und nach 4:30 bin ich wieder an der Halle. Auf der Bühne tobt die Tanzgarde und der veranstaltende Verein macht vermutlich mehr Umsatz mit dem Verkauf von Kölsch als mit den Startkarten. Sitzplätze sind Mangelware.

Fazit: Wer zwischendurch mal ganz ohne Zeitdruck einen Marathon laufen will und dies lieber auf einer gut organisierten Veranstaltung tut, sollte sich ruhig mal auf der Homepage des IVV umsehen. Die Streckenverpflegung ist etwas anders als bei Laufveranstaltungen. Es gibt Kuchen, Schmalzbrote und Bier (muß man übrigens extra bezahlen) und wer auf Nummer sicher gehen will, hat seine Verpflegung halt im Laufrucksack dabei. Die Organisation ist top und für die Jäger und Sammler gibt es im Ziel eine Urkunde und einen netten Aufnäher (ist bei den Wanderern das Gegenstück zu den Finisher-Medaillen). Bei maximal 7,- € Startgeld kann man nicht meckern.

 

Kirche in Brühl

 


Ruff un runner - Der Heinrich-Appel-Gedächnislauf in Heusenstamm (07.08.2016)

Je mehr Leute man kennt, desto öfter wird man zu kuriosen Veranstaltungen eingeladen. Der vom Lauftreff Rodgau organisierte 7-Stunden-Lauf gehört definitiv in diese Kategorie. Die Strecke läßt sich recht kurz beschreiben: 100 Meter den Berg hoch, 250 Meter wieder runter, 50 Meter flach und das Ganze wieder von vorne bis es einem zu blöde wird. Wer seine mentale Stärke einmal bis ans Limit testen will ist hier genau richtig. Von der Verpflegungsstation aus geht der Blick nämlich genau den Goldberg hoch und ich trete meinen Plan, hier locker einen Trainingsmarathon zu laufen direkt in die Tonne. Das wird alles, nur nicht locker.

Nach einem kurzen Smalltalk - die Rodgauer kenne ich ja schon vom 50K im Januar - geht es pünktlich auf die erste Runde, der Puls geht nach oben und ich frage mich ernsthaft, ob ich überhaupt die 30K schaffe. Kein Meter Asphalt, frisch gemähte Wiese und der Rest Trail. Ich quatsche noch mit ein paar anderen Teilnehmern - insgesamt werden 20 Leute offiziell teilnehmen - und versuche geistig abzuschalten, was überraschend gut funktioniert. Nach einer Stunde der erste Boxenstop. Noch keine 10K auf dem Tacho. MP3-Player raus, die lange Marathon-Playlist (Irish Folk, Hardrock, Metal) gestartet und weiter geht es. Die nächste Pause hatte ich nach zwei Stunden machen wollen aber auch der Plan wird gekippt. Die Temperaturen steigen schneller als erwartet, der Anstieg liegt in der prallen Sonne und ich bin froh, daß ich die Salztabletten dabei habe. Nach 1:45 wird wieder gestoppt.

Inzwischen ist richtig Betrieb auf der Runde und die Stimmung ist einfach klasse. Bei einem kurzen Blick auf die Liste mit den gelaufenen Runden sehe ich, daß ich knapp in Führung liege. Ist zwar egal, weil es eher ein Freundschaftslauf als ein richtiges Rennen ist, aber es gibt ein wenig Auftrieb. Runde für Runde für Runde. Ich zähle schon lange nicht mehr mit, schaue auch kaum noch auf die Uhr. Am Berg wechsele ich immer weider mal die Taktik. Mal lange Marschschritte, mal kurz und schnell, mal locker auf den Fußballen, aber wirklich besser wird es nicht. Die ersten steigen aus und ich wundere mich, als mir jemand "80 Runden" zuruft. Bei 100 gelaufenen Runden bekommt jeder einen großen Sonderapplaus vom Versorgungsstand. Ich liege immer noch vorne, was die gelaufenen Runden angeht und quäle mich bis Runde Nr. 107. Marathon gefinished. Feierabend. Sven ist mir dicht auf den Fersen und läuft wie ein Uhrwerk. Der Typ hat vor zwei Wochen noch einen Langdistanz-Triathlos gefinished. Ich mache mir den Spaß, noch eine Runde mit ihm zu laufen und bekomme fast einen Krampf. Am Berg zieht Sven an und könnte mir locker weglaufen. Respekt ! Ich gebe mich geschlagen und Sven gewinnt das Ding mit 111 Runden.

Wir quatschen noch ein bischen, es werden ein paar Fotos gemacht und ich gönne mir einen großen Kaffee. Die Verpflegung ist typisch Rodgau. Besser als bei vielen großen Marathons. Danke, Leute !

Fazit: Sollte man mal gemacht haben. Vielleicht nächstes Jahr wieder wink


 

23. Marburger Lahntallauf, 50K (28.02.2014) - inklusive deutscher Meisterschaft

Wenn man seinen Enkelchen (falls ich irgendwann einmal Opa werden sollte) etwas zu erzählen haben will, muß man schon etwas zu bieten haben. Eine Teilnahme an einer deutschen Meisterschaft im 50-Kilometer Strassenlauf ist doch schon mal was wink.

Auf jeden Fall ein guter Grund, in Marburg endlich mal die lange Strecke anzugehen. Bisher hatte ich dort immer den klassischen 42K den Vorzug gegeben. Nach vier Runden a 10K den inneren Schweinehund dazu zu bringen, auch noch die letzte Runde zu laufen, statt die Abkürzung auf die 2K-Pendelstrecke zu nehmen, ist immer so eine Sache.

Diesmal war es kein Problem. Herrliches Wetter, Sonnenschein, angenehme Temperaturen und ein rekordverdächtiges Starterfeld (rund 280 statt der üblichen 110 beim Ultra, insgesamt über 800) bei dem man auch auf der letzten Runde nicht mutterseelenallein Richtung Ziel schlurfen mußte.

Bei der Ankunft am Stadion in Marburg herrscht schon Ausnahmezustand. Eine Stunde vor dem Start ist der Parkplatz voll bis fast zum Rand, in der Sporthalle ist die Hölle los und man sieht Läufer aus ganz Deutschland (Berlin, Hamburg, Würzburg …). Die Finisher- und Vereins-Shirts die dort herum laufen sind interessanter als das aktuelle Fernsehprogramm und ich verkneife es mir, Florian Neuschwander nach einem Autogramm zu fragen. Autogramme sind out und vermutlich wäre er sich veralbert vorgekommen (irgendwo bei Kilometer 18 wird er wieder einmal an mir vorbei brettern und am Ende deutscher Vizemeister werden).

Die Organisation ist perfekt wie immer, der Start pünktlich und die Stimmung super. Das die ersten zwei Kilometer mit rund 6:00 ziemlich verbummelt werden, ist nicht zu ändern. Die Strecke ist selten breiter als 3,50 und der Grünstreifen naß und rutschig. Da gehe ich lieber kein Risiko ein und lasse es langsam angehen anstatt mich in unnötigen Zwischensprints zu verausgaben. Die 10-Kilometer Durchgangszeit ist trotzdem in Ordnung.

Nach der ersten Runde wird es schon merklich ruhiger auf der Strecke. Die  Masse der 10K-Läufer hat es schon hinter sich und nach der zweiten Runde sind auch die Halbmarathonis im Ziel und kommen mir auf ihrem Rückweg Richtung Stadion entgegen, wenn es wieder über eine der beiden Lahnbrücken geht.

Die dritte Runde vergeht wie im Flug und ohne Besonderheiten. Jeder läuft seinen Rhythmus, das verbliebene Läuferfeld der Marathonis und Ultras hat sich weit auseinander gezogen. Überholt wird kaum noch und ein Streckenposten vertreibt sich sogar die Zeit mit Schattenboxen (sieht nach Karate aus). Während die Schnellsten schon im Ziel sind, gehe ich auf meine vierte Runde und überhole ein Pärchen, das sich angeregt über den im Sommer anstehenden Zugspitz-Ultratrail unterhält. Außerdem sorgt ein auf der Strecke herum irrendes Hausschwein für Belustigung.

Ich schalte mein GPS ab und versuche mein Tempo nach Gefühl zu halten. Nach den bisherigen Rundenzeiten hätte ich fast die Uhr stellen können. Viel besser und angenehmer zu laufen als das unrhythmische Tempogebolze mit anschließendem Einbruch in Rodgau.

Kurz vor Ende der vierten Runde überrundet mich ein Läufer mit einem Shirt mit dem Aufdruck „Bayrischer Meister 2011, 2012, 2013 – 100 Kilometer“ auf dem Rücken. Auch nicht schlecht. Er finished die 50K mit etwa 3:40. An guten Tagen durchaus meine Marathonzeit. Deutsche Meisterschaften halt.

Die letzte Runde, die letzten 10K. Ich entschließe mich zu einem Experiment und genehmige mir erstmals in meinem Leben ein Energy-Gel. Schmeckt wie das Multivitaminzeug, das mir der Kinderarzt mal vor fast 40 Jahren gegen meine Anfälligkeit für Erkältungen verschrieben hat. Ob der Koffeinschub tatsächlich wirkt oder ob es die Placebowirkung ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall kann ich mein Tempo locker halten, habe ein gutes Gefühl und ziehe bis zum Zieleinlauf noch an ein paar Läufern vorbei.

4:34,30 (immerhin persönliche Bestzeit) reichen am Ende für einen 119.Platz gesamt, einen 97.Platz bei den Herren und einen 27.Platz in der Altersklasse. Damit dürfte aber auch so langsam das Ende der Fahnenstange erreicht sein.

Immerhin kann ich sagen, daß ich nur einen Platz und 10 Sekunden hinter einem deutschen Meister (Norbert Hoffmann von der LG Westerwald)  ins Ziel gekommen bin. Das der Mann die M75 gewinnt …. öh …. nun ja. Ich habe ja noch 30 Jahre Zeit zum Trainieren smiley .

Fazit: Sehr schöne Veranstaltung. Eine Finishermedaille zum Anlaß der DM wäre vielleicht noch ganz nett gewesen. Nächstes Jahr wieder.

Und noch schnell ein paar Fakten:

Startgeld: 30,- € für den Ultra bei Voranmeldung

Angebotene Distanzen: 10K, 21K, Marathon, 50K-Ultra

Strecke: Bis auf zwei Lahnbrücken total flach, größtenteils Asphalt, etwas windanfällig. Es werden 10-Kilometer-Runden gelaufen (je nach Distanz mit einer zusätzlichen Wendepunktstrecke am Ende)

Parkplätze direkt am Stadion, von dort 400m zum Start, drei Verpflegungsstellen mit allem, was man so braucht.

 


16. RLT-Ultramarathon Rodgau, 50K (31.01.2014)

  1. Traue keinem Wetterbericht … überhaupt keinem!

Ich amüsiere mich immer, wenn bestimmte Zeitungen vier Monate im Voraus ganz genau wissen wollen, wie das Wetter im kommenden Sommer/Winter wird („Blöd-Zeitung sprach mit dem Chefastronom … äh … Metronom … öh…auch egal“). Dabei kann man schon den Wetterbericht für die nächsten 2-3 Tage oft genug in die Tonne treten. Eine Woche vor Rodgau waren noch kräftige Schneefälle und lausige Temperaturen angekündigt, am Donnerstag noch Schneeschauer, danach 40% Wahrscheinlichkeit für Schnee und schließlich kam kurz nach dem Start die Sonne heraus bei insgesamt tollen Bedingungen. Petrus muß ein Rodgauer sein.

     2. Same procedure as last year

Da es einen Bericht mit den trockenen Fakten zu Rodgau bereits gibt (siehe unten), beschränke ich mich diesmal auf die Erwähnung des neuen Teilnehmerrekordes (860, davon 538 Finisher) sowie einen Altersrekord. Sigrid Eichner gewann die W75 mit Alterstreckenrekord in 6:47 und war gleichzeitig die älteste Teilnehmerin, die jemals die 50K in Rodgau finishen konnte.

     3. Zwischen Renntaktik und Selbstüberschätzung

Kommen wir zu den persönlichen Erlebnissen. Bis Kilometer 15 lief ja alles bestens, Kilometerzeiten wie eine Schweizer Uhr (jedenfalls für meine Verhältnisse), alles locker, gutes Gefühl in den Beinen. Danach kam ich auf die Idee, ein bischen mit einem Läufer aus Heilbronn zu quasseln, der sich auf einen 100K in den Alpen vorbereitet. Das ging 20 Kilometer lang gut aber ich habe einfach nicht gemerkt, daß ich viel zu schnell unterwegs war. Außerdem war das die Phase, in der man einerseits von den richtig schnellen Leuten erstmals überrundet wird, gleichzeitig aber die ersten langsameren Starter einkassiert. 25 Minuten für die 5K-Runde sind bei dieser Distanz etwas zu schnell für mich. Das kommt davon, wenn man sich vom guten Wetter und der tollen Atmosphäre anstecken läßt und dann auch noch anfängt, an einer möglichen persönlichen Fabelbestzeit (unter 4:30) herum zu rechnen statt die Bremse zu ziehen. Ab Kilometer 35 wurden dann langsam die Beine schwer und ich mußte meinen Mitläufer ziehen lassen (er finishte übrigens in 4:27, aber vermutlich ohne sich dabei auch nur annähernd zu verausgaben).

Bis zur Marathonmarke (3:37 wären der drittschnellste Marathon gewesen den ich je gelaufen bin) lief es noch verhältnismäßig gut, aber meine Kilometerzeiten hatten danach schlagartig Schwankungen wie bei einem Trail im Taunus. In der letzten Runde machte ich dann auch noch den Fehler, an der Imbissbude zu lange stehen zu bleiben. Schnell eine Cola und sofort weiter wäre die richtige Wahl gewesen. Stattdessen in aller Ruhe Salzstangen, Müsliriegel, zwei Becher Iso und ich brauchte zwei Kilometer um wieder in den Rhythmus zu kommen. 4:39 am Ende waren immer noch persönliche Bestzeit, aber es wäre mehr mit weniger Quälerei drin gewesen.

       4. Was fürs Ego … oder auch nicht

Mit Platz 190 unter 860 Startern kann man schon mal angeben (aber nur bei Leuten, die nicht wissen, daß 25% der Starter in Rodgau sowieso nicht vorhaben, die volle Distanz zu laufen). Vor allem wenn die Regionalpresse auch noch bemerkt, daß man „der beste Läufer aus der Region war“ (*hüstel*). Und das mit Platz 36 in der Altersklasse.

Relativiert wird das Ganze mit einem Blick auf die älteren Teilnehmer. Der Sieger in der M75 beispielsweise war nur 5 Minuten (!) nach mir im Ziel. Da darf ich in den nächsten 30 Jahren aber nicht viel langsamer werden. Die Sieger der M65 (4:12) und M60 (4:08) habe ich nur von hinten gesehen.

Immerhin konnte mich der Ukraninische Sieger des Rennens "nur" zweimal überrunden (Florian Neuschwander war 2014 noch dreimal an mir vorbei gekachelt). Bei seinem Zieleinlauf war er mir allerdings schon wieder auf den Fersen und ich war gerade auf die achte Runde gegangen (also 15 Kilometer Rückstand zu diesem Zeitpunkt).

 


4. Biggesee-Marathon Attendorn (21.06.2014)

Wer "See" mit "flach" verbindet, wird bei dieser Veranstaltung eine kleine Überraschung erleben. Start und Ziel sind zwar direkt am Biggesee, aber die Strecke verläuft in zwei unterschiedlichen Runden (landschaftlich sehr schön) ziemlich hügelig durchs Hinterland und kommt so auf nicht zu unterschätzende 930 Höhenmeter mit Anstiegen, die auch mal 10% haben können. Erst die letzten Kilometer führen wieder flach und asphaltiert am See entlang. Wer hier unter vier Stunden läuft, kann sich im Geiste ruhig auf die Schultern klopfen (mit einer eher mühsehlig erkämpften Zeit von 4:06 habe ich da noch was vor).

Die Fakten im Schnelldurchgang :

129 Starter, 110 Finisher (man kann nach der ersten Runde problemlos aussteigen)

23,- € Startgeld (+ 4,- Nachmeldegebühr)

Kostenlose Startplätze in der Nähe

Halbmarathon und 11K als weitere Strecken

Finishermedaille in Form eines T-Shirts (mal was anderes)

Kostenlose Getränke im Ziel

Sehr gute Organisation und Streckenverpflegung

Auf Youtube gibt es einige Videos

 


15. RLT-Ultramarathon Rodgau, 50K (25.01.2014)

Mit dem RLT-Ultra hat es für mich eine besondere Bewandnis. Das war nämlich der erste Ultra, den ich jemals gelaufen bin und eigentlich ein Versehen. Man kann einen Ultra aus Versehen laufen ? Kann man ! Und man muß sich dazu noch nicht einmal auf einer klassischen Marathonstrecke verlaufen oder sich beim Training im Wald verirren.

Im Dezember 2013 war ich mit der groben Terminplanung für das erste Halbjahr 2014 beschäftigt und hatte mir vorgenommen, gleich im Januar den ersten Marathon zu laufen statt wieder bis März zu warten. Beim Blick in den Laufkalender fiel mir dann Rodgau ins Auge. Ein guter Bekannter war dort im gleichen Jahr seinen ersten Ultra gelaufen und sehr zufrieden mit der Organisation gewesen. Ich war automatisch davon ausgegangen, daß dort - wie bei vielen anderen Ultra-Veranstaltungen (Marburg, Monschau, Allgäu) - auch die klassischen 42 Kilometer im Angebot sein würden und nahm den Lauf fest in meine Planung auf.

Als ich dann Anfang Januar meine Voranmeldung abschicken wollte, schaute ich entsprechend dämlich aus der Wäsche. Gerade in Rodgau gibt es nämlich nur eine einzige Distanz, die offiziell angeboten wird. Nämlich die 50K. Das hindert zwar viele Läufer nicht daran, Rodgau als verschärften Trainingslauf anzugehen und schon beim Start mit einem vorzeitigen Ausstieg (siehe unten) zu planen, aber das wollte ich einfach nicht. Da jubelt mir der innere Schweinehund zu laut und dann besteht bei mir die große Gefahr, daß ich lustlos an den Start gehe und nachher noch früher Feierabend mache als ursprünglich geplant. Ich brauche bei solchen Distanzen einfach ein festes Ziel um mir den virtuellen Tritt in den Hintern geben zu können, wenn es dann ans Eingemachte geht.

Also : ganz oder gar nicht! Was interressiert mich mein Geschwätz von gestern über den "Marathon als persönliche Grenze". Sind ja nur acht Kilometer mehr (*hüstel*). Ohne Zeitvorgabe und auf einer völlig flachen Strecke sollte das zu schaffen sein.

Gerade für Ultra-Einsteiger bietet Rodgau nämlich perfekte Voraussetzungen, was sicher auch ein Grund ist, warum dieser Lauf die zweitgrößte Ultraveranstaltung in Deutschland ist.

1. Die Strecke ist völlig flach. Eine kurze Bodenwelle auf jeder Runde ist nicht erwähnenswert (Zugegeben. Irgendwann wird die Runde langweilig aber wenn gelegentlich die Profis an einem vorbei brettern ist das auch mal ganz interessant. Normalerweise sind die Leute ja schon nach dem ersten Kilometer ausser Sicht).

2. Es sind 10 Runden a 5 Kilometer zu laufen. Wenn es dann doch nicht richtig rund läuft, kann man jederzeit bequem aussteigen und steht dann wenigstens noch mit der gelaufenen Distanz in der Ergebnisliste. 2014 waren z.B. 835 Leute am Start aber nur 587 liefen die volle Distanz. Im Vergleich zu den meisten Feld-, Wald- und Wiesenmarathons wo 95-100 % der Starter ins Ziel kommen (auch weil man zwischendurch oft nur im absoluten Notfall aussteigen kann) ein recht hoher Wert an "DNF" (did not finish), aber das ist einfach so geplant.

3. Durch die hohe Starterzahl ist man nie allein auf der Strecke und findet immer jemanden, an den man sich mal für eine Weile dranhängen kann.

4. Perfekte Verpflegung. Von Isogetränk bis Salzstangen gibt es alles, was einen über die Runden bringt. Im Gegensatz zu vielen anderen Ultraveranstaltungen muß man also kein Gepäck mit sich herum schleppen.

Und sonst?

Das Startgeld von 25,- € ist absolut in Ordnung.

Urkunde gibt es umsonst, Medaille gegen 3,- € Aufpreis.

Parkplätze gibt es in ausreichender Menge nicht weit von Start/Ziel. Die Anfahrt ist auch kein Problem, die gesamte Organisation perfekt und unkompliziert.

Außerdem gibt es noch für jeden, der sich rechtzeitig anmeldet, ein jährlich wechselndes Laufzubehör. 2013 war es eine Gürteltasche, 2014 eine Laufmütze (das Teil ist im Sommer richtig gut und hat sich schon mehrfach bewährt).

Zweimal auf jeder Runde (bedingt durch eine kurze Wendepunktstrecke) wird man musikalisch beschallt. Die Musikauswahl ist immer wieder eine kleine Überraschung.

 

Fazit: Als Start ins neue Jahr genau richtig. Einziges kleines Manko (wenn man denn so will) ist der Termin Ende Januar, bei dem man wettertechnisch mit allem rechnen muß. Schnee, Matsch aber auch perfekte Bedingungen sind möglich. Da zum Teil auf unbefestigten Wegen gelaufen wird, werde ich auch beim nächsten Mal wieder auf die bewährten Trailrunners setzen.

Die Voranmeldung für 2015 ist natürlich schon raus wink. Per 15.11. stehen schon 488 Leutchen auf der Liste und eine Reihe alter Bekannter ist auch dabei.

 


88.Bertlicher Strassenlauf (02.12.2012)

Wie kommt es, daß man sich bei einem Marathon an den Comic „Asterix bei den Briten“ und Witze über „lauwarme Cervisia“ erinnert? Antwort siehe unten.

Da ich Ende 2012 unbedingt und ziemlich spontan noch einen Marathon laufen wollte, fiel meine Wahl auf den Strassenlauf in Herten-Bertlich, und zwar aus folgenden Gründen:

  • keine Voranmeldung nötig (und auch nicht möglich)
  • unbegrenztes Startplatzkontingent
  • günstiges Startgeld (16,00 €)
  • total flache Strecke
  • kostenlose Parkplätze direkt um die Ecke

Die Organisation ist routiniert, da diese Veranstaltung dreimal jährlich stattfindet (im Frühjahr, Herbst und Winter) und absolut unkompliziert. Die Strecken von 5K bis Marathon und die Startzeiten sind so gewählt, daß man sich gegenseitig nicht ins Gehege kommt. Für Anfänger ist das Ganze übrigens ideal. Man läuft drei Runden zu je 14 Kilometern. Nach zwei Runden ist der Mann mit dem Hammer noch fern, man weiß, daß es auf der letzten Runde keine streckentechnischen Überraschungen mehr gibt und wenn es doch mal nicht laufen sollte, kann man problemlos aussteigen. Wer sich noch nicht ganz an die 42K heran traut, kann übrigens auch die sonst eher selten angebotenen 30K ausprobieren.

Ach ja. Die lauwarme Cervisia. Angesichts der kühlen Temperaturen gab es an manchen Versorgungsposten warmes (!) Isogetränk. Wer jetzt „Pferdepisse“ sagt, muß sich fragen lassen, woher er weiß wie die schmeckt. Ich mußte eher an das Vitamin-C-Zeug denken, daß man im Winter in der Apotheke gerne als Probepäckchen bekommt und in heißem Wasser aufgelöst trinkt. Immerhin war es magenfreundlich. Kalte Getränke bei kaltem Wetter verträgt nicht jeder Magen.

Und sonst ? Urkunde, Pokale für die Altersklassensieger, großes Kuchenbuffet.

Die Strecke: total flach, asphaltiert und landschaftlich unspektakulär. Die 71 Finisher hatten sich irgendwann ziemlich auf die 14 Kilometer verteilt, so daß ich den größten Teil der letzten Runde allein unterwegs war.

Stimmung: Eigentlich nur beim Durchlauf in Bertlich. Ansonsten wahrscheinlich eher im Frühling. Wir hatten im Dezember viel Wind und einen kurzen Regenschauer. Da kann man keine jubelnden Menschenmassen verlangen. Dafür ist das Orga-Team sehr nett.

Fazit: solides Preis-Leistungs-Verhältnis, definitiv ein Tip für Marathoneinsteiger. Wer mal auf einer relativ schnellen Strecke (und bei besserem Wetter) testen will, was da so geht und keine 60-90 Öcken für einen großen City-Marathon hinlegen möchte, ist hier auch richtig.

 


28.Löwenlauf in Hachenburg (18.10.2014)

Kleine Ergänzung des Berichtes vom Vorjahr.

Die Hachenburger haben das Glück mit dem Wetter anscheinend gepachtet. Ich war dort zum dritten Mal am Start und wieder das herrlichste Laufwetter bei idealen Temperaturen. Von Limburg bis hinter Montabaur dicker Nebel aber kurz vor Hachenburg plötzlich strahlender Sonnenschein.

Der Start erfolgte gewohnt pünktlich, die Organisation war wieder einmal reibungslos und routiniert.

Interessant war ein Gespäch mit Rune Dahl aus Norwegen, der mir ein paar Kilometer lang auf den Fersen war. Er hatte mit seiner Freundin Urlaub in der Gegend gemacht und sich spontan entschlossen, seinen 2. Marathon zu laufen. Zur Halbzeit des Rennens - irgendwo am Seeweiher - ging er dann an mir vorbei und konnte mir bis ins Ziel rund zwei Minuten abnehmen. Nebenbei hat er die Zeit aus seinem ersten Marathon um sieben Minuten verbessert. Und das auf einer Strecke, wo man normalerweise 20 Minuten langsamer als im Flachland läuft ! Respekt.

Im Ziel gab es diesmal zum Glück wieder die klassischen Edelstahlmedaillen und nicht das knallrote Hartplastikteil vom Vorjahr. War zwar eine Abwechslung aber ehrlich gesagt nicht mein Geschmack (und das der Mehrheit der Läufer anscheinend auch nicht).

Mit 121 Finishern wurden die 107 von 2014 locker übertroffen. yes

Die Verlegung des Zieleinlaufes zur Rundsporthalle hat der Stimmung beim Zieleinlauf nicht geschadet.

Fazit : Ist für nächstes Jahr wieder fest eingeplant

P.S. Der Titel "Nervensäge des Tages" geht an einen Läufer, den ich am letzten Verpflegungsstand erleben durfte. Vergreift sich bei den Bechern (Iso statt Wasser), blökt die Leute dort an, knallt den vollen Becher in die Gegend und bei nächster Gelegenheit meckert er noch lautstark (und zwar nicht ironisch-humorvoll sondern in einem saumäßigen Tonfall) bei den Helfern von Roten Kreuz "wann es auf dieser Scheisstrecke endlich mal wieder bergab ginge". Hallo ? Falsche Veranstaltung ? Schlecht gefrühstückt oder auf den letzten Kilometern nervlich am Ende ?

--- Bild aus Sicherheitsgründen (DSGVO) entfernt ---

 


27.Löwenlauf in Hachenburg (19.10.2013)

Da ich hier meinen ersten Marathon gefinished habe und kein anderer Marathon näher liegt, ist der Löwenlauf natürlich jedes Jahr der Erste, der in meinem Terminkalender fest eingetragen wird.

Die Strecke ist ein typischer Landschaftslauf mit wenig Asphalt, vielen Waldwegen, ein paar kurzen flachen Trailpassagen und hat zwei kleine Schikanen, nämlich ca. 450 Höhenmeter im Anstieg (typisch Westerwald eben) und vor allem deren Verteilung, die zur taktischen Vorsicht raten.

Da der erste Anstieg schon kurz nach dem Start kommt und viel weniger steil ist, als es auf dem Bild den Anschein hat, wird man hier gerne dazu verführt, mit einem ziemlichen Zahn loszulegen. Die Atmosphäre beim Start und ein bischen Adrenalin besorgen den Rest und schon ist man mit einem Tempo unterwegs das eher für den ebenfalls angebotenen Halbmarathon geeignet wäre. Im Abstieg nach dem Weißenstein (verführt ebenfalls zu hohem Tempo) und rund um den Dreifelder Weiher mit seinen Trailpassagen fühlt man sich immer noch topfit und jagt munter drauflos.

Die Rechnung bekommt man dann - nach meiner Erfahrung - bei Kilometer 28 präsentiert, gerade wenn es so langsam ans Eingemachte geht. Hier bin ich schon zweimal fürchterlich in die Knie gegangen. Die rund 5 Kilometer, die es hier bergauf geht, kommen sehr unverhofft. Ich hatte jedesmal das Gefühl, regelrecht stehen zu bleiben und kam ziemlich aus dem Rhythmus. Da ich bis dahin viel zu schnell unterwegs war, wurde ich natürlich erst einmal nach hinten durchgereicht. Zusätzlich kam ich auf nassem Laub auch noch ins Rutschen, machte eine Grätsche und durfte mich über einen kleinen Dehnkrampf im Aduktorenbereich freuen (dieses Jahr bin ich mit meinen bewährten Asics Fuji am Start statt mit den üblichen Marathon-Tretern).

Wenigstens geht es die letzten 9 Kilometer weitgehend leicht bergab nach Hachenburg zurück. Wer hier noch genug Power hat, kann noch einmal richtig Tempo machen und seinen Spaß haben - vorausgesetzt die Renneinteilung stimmt. Wenn man sich bei anderen Läufern umhört, ist man sich ziemlich einig, daß das Streckenprofil im Vergleich zu einer flachen Strecke mindestens 20 Minuten kostet. Also keine Strecke für persönliche Bestzeiten. Das sollte man auf jeden Fall berücksichtigen.

Insgesamt eine absolut tolle Veranstaltung, die mehr verdient hätte als "nur" 106 Finisher (vielleicht liegt es am Termin eine Woche vor Frankfurt) und ein echter Tip für jeden, der eher auf Landschaftsläufe steht.

Streckenverpflegung : von Bananen bis Iso gibt es alles was man so braucht. Zusätzliche Verpflegung im Ziel.

Organisation : absolut perfekt, reibungslose Anmeldung, genug Verpflegungsstationen, idiotensichere Streckenmarkierung, Parkplätze direkt an der Sporthalle.

Goodies : Kleines Starterpaket mit wechselndem Inhalt und eine Finisher-Medaille sowie eine hübsche Urkunde. Außerdem eine Pastaparty am Vorabend, die ich aber noch nicht getestet habe.

Stimmung : im Wald eher selten, aber der Zieleinlauf fast wie bei einem großen City-Marathon. 2014 und 2015 findet der Zeileinlauf allerdings an der Sporthalle statt auf dem Marktplatz statt.

Kostenpunkt : 24,- € bei Voranmeldung (12,- € für den Halbmarathon)

 


5.Hochwald-Marathon in Schillingen (20.09.2014)

Warum dieser Marathon mit nur 50 Startern und 44 Finishern die zweitkleinste bis zu diesem Zeitpunkt von mir besuchte Veranstaltung auf dieser Distanz war, verstehe ich ehrlich gesagt nicht so ganz. Die Strecke hatte alles zu bieten, was einen schönen Landschaftslauf ausmacht. Wenig Asphalt, viele Waldwege und ein paar nette Trail-Passagen. Zugegeben. Die 740 HM waren nicht zu unterschätzen und die letzte langgezogene Steigung zwang nicht nur mich zu einer längeren Gehpause. Bestzeiten kann man hier ganz gepflegt vergessen und für völlige Anfänger ist die Strecke nicht unbedingt geeignet, aber trotzdem hätte der Lauf mehr Zuspruch verdient gehabt.

Am Startgeld in Höhe von 25,- € (plus evtl. Leihgebühr für den Chip, hatte aber einen eigenen) kann es auch nicht gelegen haben, denn man bekam dafür genug geboten. Gleich bei der Anmeldung bekam ich eine gefühlt drei Kilo schwere Einkaufstasche in die Hand gedrückt. Während ich mich bei anderen Läufen durch 15 Werbeprospekte wühlen und diese danach wegwerfen durfte (wie war das noch mit Nachhaltigkeit und Papierverschwendung ?), gab es diesmal H-Milch, Sprühsahne in zwei Geschmacksrichtungen, Kaffesahne, eine Flasche Mineralwasser und ein Glas Bockwürstchen! Mal was anderes.

Auch an der Streckenverpflegung gab es nichts auszusetzen. Ich habe zwar das obligatorische Isogetränk vermißt, daß ich bei solchen Strecken eigentlich bevorzuge aber da gehen die Meinungen und die Geschmäcker sowieso auseinander. Apfelschorle tuts auch.

Gelaufen wurden zwei unterschiedlich lange Runden, die zum Teil identisch waren. Auf der zweiten Runde war noch ein kleiner Umweg fällig bevor man zur Hauptstrecke zurück kam und mit den später gestarteten Teilnehmern des Halbmarathons zusammen traf. Da sich das Feld der 117 Halbmarathonis zu diesem Zeitpunkt aber schon kräftig auseinander gezogen hatte, war das auch kein Problem. Man darf sich halt nur nicht demoralisieren lassen, wenn man plötzlich immer wieder überholt wird.

Beim Zieleinlauf gab es dann das nächste "Goodie".

Ist doch mal was anderes als die üblichen Finisher-Medaillen und macht im Regal schon was her.

Stimmung : Im Wald natürlich eher nicht, aber dafür viel Applaus auf den letzten Metern.

Fazit : Toller Landschaftslauf, perfekte Organisation. Ist für 2015 vorgemerkt.